Nüchtern betrachtet 

Meine wundersame Reise über die Regale

Feuilleton | aus FALTER 19/13 vom 08.05.2013

Feuilletonchef Klaus Nüchtern berichtet aus seinem Leben. Die Kolumnen als Buch: www.falter.at

Neben Staubnase und Nackenschmerz zählt die nicht eben neue, aber immer wieder nadelscharf peinsame Einsicht in die nudelsiebartige Grundstruktur des eigenen Gedächtnisses zu den kränkendsten Einsichten, die einen bei der Zusammenführung und Neuordnung der eigenen Bibliothek ganz verlässlich überkommt. Nicht nur, dass aus den Kartons ständig ungelesene Bücher ausapern, die je besessen zu haben ich mich beim besten Gewissen nicht mehr erinnern kann; viel schlimmer ist es, wenn ich aufgrund der Unterstreichungen und -anmerkungen, die mir meine Deutschlehrerin unter dem pädagogischen Motto "Mit dem Bleistift lesen“ in der Oberstufe als unausradierbare Marotte antrainiert hat, zur Kenntnis nehmen muss, dass ich Romane, die nie gelesen zu haben ich jederzeit schamfreudig bekannt hätte, lange bevor die Spanische Inquisition auch nur mit den weichen Kissen gewunken hat, sehr wohl gelesen


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