Prost!  

Über die Hinterhältigkeit von alkoholhältigen Apfellimonaden

Lexikon der Getränke. Diese Woche: Goldkehlchen Cider

Stadtleben | aus FALTER 19/13 vom 08.05.2013

Der vergorene Apfelsaft a.k.a. Most oder Apfelwein hat in verschiedenen Kulturräumen seinen festen Platz. In Niederösterreich wurde ihm sogar ein eigenes Viertel gewidmet. Billiger und schnell verfügbarer Alkohol aus Obst, das aufgrund des hohen Gerbstoffgehalts roh kaum zu verzehren ist, ist für jene von Bedeutung, die schwere Arbeit zu leisten haben - man kann sich bei der Arbeit "aufpeitschen“ und weitermachen - Gedächtnisverlust inklusive.

Der Unterschied zu Apfelschaumwein oder Cider ist, dass bei diesem die gezielte Fermentation mit Gärhefen und der Zusatz von Kohlensäure einen moussierenden Effekt bewirken. Mit der Beigabe von Zucker kann bekanntlich noch der Alkoholgehalt gesteigert werden. Es gibt allerdings viele Varianten - in Frankreich wird der vornehmlich in Flaschengärung erzeugte Cidre aus Schalen getrunken, in Skandinavien macht man mit Cider allerhand Schabernack: Siideri ist in Finnland weitverbreitet - Aromastoffe von Heidelbeere bis Vanille werden hier beigemischt.

Auch der in Dänemark hergestellte Somersby ist eine eher süße, alkoholarme Variante, tückisch, wenn gegen den Durst getrunken wird. Nun haben sich zwei Österreicher daran gemacht, hierzulande die Cidertradition zu etablieren. Herausgekommen ist ein schön moussierender, leicht süßer Cider. Ganz guter Stoff. Schade nur, dass man hier mit der Verniedlichung von Alkohol arbeitet. Immerhin sind 4,5 Prozent Alkohol enthalten. Das goldene Vögelchen auf dem Etikett zwitschert uns also was vor. MS


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