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Im öffentlichen Interesse

Der Kommentar zur steirischen Woche

Steiermark | aus FALTER 19/13 vom 08.05.2013

Der Streit um das Mur-Wasserkaftwerk im Grazer Süden geht in die letzte Runde, vergangene Woche fand die Berufungsverhandlung vor dem Bundesumweltsenat in Wien statt. Nun harren Befürworter und Gegner einer Antwort. Ein Senatsmitglied sprach von einem "Ausnahmeprojekt“, das "viele Ausnahmebewilligungen“ brauche. Schon im Vorjahr stellte das Land in der Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) fest, dass das Kraftwerk eine "Verschlechterung des derzeit guten biologischen Zustands“ des Grazer Murabschnitts mit sich bringe. Trotzdem hat es das Projekt in erster Instanz wegen "übergeordnetem öffentlichem Interesse“ bewilligt. Aber liegt das Kraftwerk auch im Interesse der Grazer?

Die Mur würde durch das Wasserkraftwerk auf einer ihrer letzten freien Fließstrecken zurückgestaut. Dadurch verringert sich die Fließgeschwindigkeit, statt Huchen und Würfelnatter könnten demnächst Egel und wurmartiges Getier den Stadtfluss bevölkern, warnen Umweltschützer. Auch die UVP stellte fest: Kleintiere und strömungsliebende Fische verlieren an Lebensraum, dem vom Aussterben bedrohten Huchen wird ebenso wie der geschützten Würfelnatter das Leben erschwert. Zudem verschlechtern die Baumrodungen die Luftsituation, wie eine neue Studie der Uni Salzburg ergibt. Und das, wo Graz schon jetzt als Feinstaubhochburg gilt.

Ein hoher Preis - und wofür? Das Kraftwerk soll Strom für 20.000 Haushalte liefern. Klingt viel, doch wird es bloß den Stromverbrauchszuwachs eines Jahres abdecken. Das haben nicht radikale Naturschützer errechnet, sonder ein ehemaliger Estag-Chef. Stellt sich die Frage: Wo wird im nächsten Jahr gebaut?

Donja Noormofidi ist Redakteurin des Steiermark-Falter


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