Logbuch

Schweig Mutter, dafür bin ich wirklich

Kolumnen | Doris Knecht  Zu Alt | aus FALTER 19/13 vom 08.05.2013

4.5., 17.35 Uhr Es gibt wenig Befriedigenderes, als den ganzen Tag eine Ordnung zusammengeschuftet zu haben und sie dann, nachdem man sich die Spinnweben aus den Haaren geduscht hat, bei einem Glas Sprudel zu betrachten: eine nachhaltige, nachvollziehbare Ordnung, nicht nur Zeugs mit einem Fuß hinter einen Vorhang geschoben, nein: eine korrekte Ordnung, eine auch farblich ansprechende Aufgeräumtheit wie auf den Aufbewahrungsseiten vom Ikea-Katalog, wo alle Dinge dort liegen, wo sie hingehören, am logischen Platz, in ihrer perfekt dimensionierten Kiste, und es wurde nicht, weil diese Kiste zufällig grad offen war, die Kleberolle, die einem entgegenpurzelte, zu den Drähten geworfen, nein. Die Kleberolle kam zu den Kleberollen, die Drahtstücke blieben unter sich. Eine puristische Ordnung, die auch meiner Mutter Respekt abringen würde, obwohl einem, während man Sachen, die jahrelang und bis eben noch mit dem Fuß zu großen Haufen hinter einem Vorhang zusammengeschoben wurden, ordentlich in das große, nervenzusammenbruchfrei zusammengeschraubte Regal geschlichtet hat, die Mutter von innen ins Ohr flüsterte, dass man das ruhig hätte abwischen oder auswaschen können, und wäre es nicht viel praktischer, wenn man das neben das stellen würde, anstatt? Schweig Mutter, ich bin zu alt, um mir immer noch Vorschriften und Vorhaltungen dieser Art machen zu lassen, das ist ja lächerlich.

17.42 Uhr Die Doktor Urban schreitet durch die Abendsonne herbei, sie hat ihr winziges Wochenend-Doktor-Tascherl unterm Arm, weil: impfen. Schön, dass manche Dinge und manche Freundschaften sich nie ändern: Früher hat uns die Doktor Urban in der Küche von der Blue Box gegen Gelbfieber und Japanische Enzephalitis geimpft, jetzt impft sie uns in der Laube gegen Zecken. Danke, ein Bier?

5.5., 10.20 Uhr Apropos Freunde. Der Lange liest in der Zeitung, dass ein guter Freund ein Projekt am Laufen hat, gemeinsam mit einer Frau. Wem? Der Lange liest den Namen vor, mit dem Vermerk "nie gehört“. Das ist insofern interessant, als Nie Gehört erst vor ein paar Wochen bei uns am Tisch gesessen ist, der Lange hatte Nie Gehört Prosecco nachgeschenkt und vor dem Haus mit Nie Gehört eine geraucht. Ach die! Ja, die. Ach Die muss das aber nicht persönlich nehmen. Der Lange hat jeden Namen jedes Schlagzeugers und Ersatzgitarristen jeder noch so verschrobenen Band bis in die frühen 60er hinein parat, aber die Namen der Freundinnen der Mimis, meiner Freundinnen und immer öfter auch seiner Bekannten und Freunde kann er sich nun einmal nicht merken. Die, die, die … Du weißt schon, wen ich meine! War immer schon so, und solange er den Kerl mit den rötlichen Haaren links und rechts und den zwei kleinen Fernsehern dazwischen, der jetzt grad daherspaziert, ohne weiteres als den Horwath benamsen kann, ist alles gut, glaube ich. Kaffee? Moment.


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