Menschen

Jung und kaputt

Falters Zoo | Nathalie Großschädel, Barbara Schellner, Christopher Wurmdobler | aus FALTER 19/13 vom 08.05.2013

Bereits zum elften Mal ging vergangenes Wochenende der Modepalast im Mak über die Bühne. Rund hundert Designer aus dem In- und Ausland präsentierten bei diesem Spektakel ihre neuen Kollektionen und boten sie zum Verkauf an. Aus all dem Jersey und den Seidenkreationen haben sich besonders die luftig leichten Sommer-Strickmodelle des Berliner Designerlabels The Knit Kid hervorgetan. Grob gestrickte Pullis, Kleider, Tops und dazupassende Hotpants gab’s in zarten Pastelltönen, Colour-Blockings und, wer’s mag, Neonfarben. An die Haut ihrer Kunden lässt die junge Designerin Sabrina Weigt nur hochwertige Materialien wie Kaschmir, Alpaka, Mohair, Merino- oder Baumwolle.

Hai-Alarm am Müggelsee. Sie haben keine Ahnung, wo das sein soll? Wir auch nicht. Aber wir waren bei der Premiere des gleichnamigen Films von Leander Haußmann. Der deutsche Botschafter hatte zwar ins Künstlerhauskino eingeladen, aber wie Moderator (und Film-Mitspieler) Michael Ostrowski mitteilte, musste seine Exzellenz noch für eine weitere Veranstaltung Brötchen schmieren. Aber nur mit Haußmann, Kleindarstellern wie Sven Regener - der Mann ist natürlich Musiker und Buchautor -, Florian Horwath oder David Schalko und sehr vielen Premierengästen war die Hütte auch so voll. Der Film? Wahnsinnig lustig. Wie ein irrer Abend an der Berliner Volksbühne und ganz schön gaga. Campino von den Toten Hosen war angeblich auch im Kino. Aber den haben wir leider nicht gesehen.

Ein bisschen wie in der Kinderdisco fühlte man sich am Freitagabend, als die bayrische Band Frittenbude im Rahmen einer Tour für Radio FM4 im Flex vorbeischaute. Frittenbude, eine Art poppigere Version der Electro-Rap-Rabauken Deichkind, hatten davor bereits drei Konzerte in Österreich ausverkauft und füllten auch die große Flexhalle mit einer riesigen Horde gutgelaunter Anfang-zwanzig-Jähriger. Die Botschaft ihrer Songs und Zwischenansagen ist einfach - "Wir sind jung, abgefuckt, kaputt und glücklich“ -, aber auch für leicht fassbare politische Statements wie "Kein Mensch ist illegal“ war zwischen den Songs noch genug Platz. Die Leberwerte sind im Keller, die Welt und das "System“ sind ziemlich im Eimer, also lass uns lieber noch ein Bier trinken und eine Runde tanzen. Verstärkt wurde die Partystimmung durch zwei riesige tanzende Bären auf der Bühne. Der Jugend gefiel’s jedenfalls.

Stell dir vor, es ist Amadeus-Award-Verleihung und keiner hat einen Sitzplatz im Volkstheater. Okay, gar so schlimm war es natürlich nicht, allerdings war die Menge an VIPs und deren Möchtegernversion, die in die Rote Bar verwiesen wurde, nicht gerade klein. Dort konnte man in Ruhe und ohne Hitzekollaps - warum der Amadeus immer am heißesten Tag im Frühjahr stattfindet, hat uns auch noch niemand verraten können - auf Leinwänden der Verleihung quasi virtuell beiwohnen. Während also drinnen Manuel Rubey und Isabella Richtar das "Who’s who“ der österreichischen Musikbranche auszeichneten, warteten andere bereits ungeduldig auf den Einlass zur After-Show-Party im Volksgarten. Dort musste man feststellen: Die Krise hat endlich auch den österreichischen Musikmarkt erreicht. Statt ausuferndem Buffet gab es dieses Jahr Leberkässemmeln und weniger Gratis-Alkohol. Schluck. Top-Celebritys des Abends: Carmen Kreuzer im Dirndl, Andreas Gabalier mit gut sitzender Tolle und Campino, ob der betrunkenen Masse an Z-Prominenz leicht verwundert.

E-Mail an den Zoo: zoo@falter.at


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