Ausstellung Kritik

Mit Hüftschwung näher zu den Göttern

LEXIKON : KUNST | NS | aus FALTER 19/13 vom 08.05.2013

Im Gegensatz zu den westlichen Religionen ist Tanz aus den Ritualen der asiatischen nicht wegzudenken. Eine umfangreiche Ausstellung im Weltmuseum -wie das ehemalige Museum für Völkerkunde nun erst seit kurzer Zeit heißt -führt zu den Tanztraditionen diverser asiatischer Länder. Die Schau "Getanzte Schöpfung. Asien zwischen den Welten" umfasst einerseits Sammlungsobjekte und Leihgaben, andererseits werden einzelne Tänzer vorgestellt, die rituelle Formen in die Gegenwart fortschreiben und neu interpretieren.

In der an tollen Masken und Skulpturen sehr reichen Schau selbst wird schnell klar, dass hier ein riesiges Feld beackert wird. Die mit den Tänzen verbundenen Mythologien und religiösen Lehren sind so dicht, dass sie nur in ganz groben Ansätzen vermittelt werden können. Vielen gemeinsam ist die Vorstellung von Tanz als die Götter und die Menschen verbindende Praktik und dessen Bedeutung in Schöpfungsgeschichten.

Zu den Ausstellungshighlights zählen die Bronzen und die Steinreliefs der kambodschanischen Tempelanlagen von Angkor Thom, die aus dem auf asiatische Kunst spezialisierten Pariser Musée Guimet stammen. In der Schau ist zu erfahren, dass Diktator Pol Pot Tänzer ermorden ließ, weil sie als Feinde des Regimes galten. Bei Mysterienspielen wurde in Nepal eine Schürze aus beschnitzten Menschenknochen getragen. Eine eindrucksvolle indische Shiva-Figur ist in der Schau ebenso zu sehen wie tibetische Todesmasken, japanische Farbholzschnitte des No-Theaters, prächtige Tanzkostüme aus Burma sowie Schmuck und Instrumente.

Die Schau geht auch auf den Aspekt der Geschlechterüberschreitung ein, der historisch eine wichtige Rolle spielt und heute von Tänzern wie dem Indonesier Didik Nini Thowok eingesetzt wird. Via Video wird im letzten Ausstellungsteil sogar zum Mittanzen gelockt.

Weltmuseum, bis 30.9.


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