What Would Thomas Bernhard Do: Kunsthallen-Direktor Nicolaus Schafhausen erklärt sein Festival

Interview: Wolfgang Kralicek | aus FALTER 20/13 vom 15.05.2013

Nicolaus Schafhausen, der neue Direktor der Kunsthalle Wien, startet diese Woche mit dem interdisziplinären Festival "What Would Thomas Bernhard Do": An zehn Tagen finden rund 100 Veranstaltungen mit 117 Mitwirkenden statt. Auf dem Programm stehen hauptsächlich Gespräche, Diskussionen und Vorträge, aber auch Konzerte, Performances und Partys.

Falter: Sie eröffnen Ihre Direktion nicht mit einer Ausstellung, sondern mit einem Diskursfestival. Ist das eine programmatische Ansage?

Nicolaus Schafhausen: Das ist ziemlich offensichtlich, denke ich. Die Maßstäbe, unter denen Kunst heute produziert wird, kann man meiner Ansicht nach nicht mehr allein aus dem Kunstsystem heraus erklären.

Das Festival bietet eine enorme Programmfülle. Wie geht man das als Besucher am besten an?

Schafhausen: Natürlich interessiert nicht jeden alles, aber deshalb gibt es ja Themenschwerpunkte. Und es ist ja auch ein Trugschluss zu glauben, dass man alles verstanden hat, wenn man eine Ausstellung besucht hat.

Es gibt zwar Programmpunkte zu Thomas Bernhard, es ist aber kein Bernhard-Festival. Welche Rolle spielt der Autor denn nun?

Schafhausen: Das hat auch einen persönlichen Hintergrund, Bernhard hat mich als Jugendlicher total elektrisiert, vor allem die autobiografischen Bücher. Aber natürlich ist das Festival kein Symposion zu Thomas Bernhard. Er ist mehr eine Leitfigur, ein Motiv. In Deutschland hätte ich wahrscheinlich Rainer Werner Fassbinder gewählt.

Haben Sie sich beim Kuratieren tatsächlich die Frage gestellt, was Thomas Bernhard tun würde?

Schafhausen: Die Frage ist natürlich metaphorisch zu verstehen. Wir wollen ja auch keine Antworten geben. Es geht darum, wie Gesellschaftskritik heute überhaupt noch aussehen kann. Dazu sollen Ideen präsentiert werden.

Wird es in der Kunsthalle künftig auch Ausstellungen geben?

Schafhausen: Na, klar! Aber eben nicht nur.

Kunsthalle Wien, 16. bis 26.5.


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