Nachrichten aus dem Inneren

Falter & Meinung | Klaus Nüchtern | aus FALTER 20/13 vom 15.05.2013

Die Redaktion erklärt sich selbst

Brotmesser - Broootmesser!“, raunt mir die Kollegin zu, sobald sie meiner ansichtig wird. Was sie meint, ist klar: nämlich dass ich statt einer Eierharfe ein Brotmesser hätte erwünschen sollen. Ich finde es aber töricht und hoffärtig, so zu denken. Wie das ausgeht, weiß man ja aus dem Märchen "Von dem Fischer und syner Fru“. Ich kann die Kollegin nur dringlich bitten, von ihrer Autoilsebillifizierung wieder Abstand zu nehmen, weil sonst macht’s "wuppp!“, und wir können wieder im Lichte von Unschlittkerzen Kartoffeln schnitzen, mit denen wir die Zeitung drucken. Ich will da nie wieder hin!

Ergänzend sei erwähnt, dass irgendwo in den neun Ladeln oder hinter den 18 Türln der Dark Star (die nicht nur Küche, sondern auch eine Art 3-D-Memory ist) tatsächlich mal ein Brotmesser hauste. Es ist wohl hinters Sofa gerutscht oder - was angesichts des Umstandes, dass es in der Redaktion kein Sofa gibt, wahrscheinlicher ist - von einer gemeinschaftsethisch sehr ungefestigten Person qua Stibitzung ins eigene Ladel hineintransferiert worden, was selbiger eines Tages zum Schaden gereichen möge (siehe das Märchen vom "Lumpengesindel“). Selbst die redaktionseigenen Bieröffner sind vom Verschwindibus befallen, was freilich wurscht ist, da die Verräumung des zugehörigen Getränks während der Arbeit verboten ist. Dass der legendäre Herausgeber einer konservativen österreichischen Tageszeitung einst damit prahlte, noch nie nüchtern einen Leitartikel verfasst zu haben, sei als medienhistorisches Parergon nur so nebenbei eingestreut.


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