Am Apparat  Telefonkolumne

Haben Sie in Sofia Wahlfälscher gestellt, Herr Hofinger?

Politik | Anruf: Florian Klenk | aus FALTER 20/13 vom 15.05.2013

Bulgarien hat gewählt. Die konservative Partei des Exregierungschefs Boiko Borissow hat gewonnen. Aber war die Wahl auch fair? Das sollte ein Österreicher analysieren. ORF-Hochrechner Christoph Hofinger vom Institut Sora wurde als Wahlbeobachter engagiert.

Herr Hofinger, Sie erstellen normalerweise unsere Hochrechnungen. Was trieb Sie nach Bulgarien?

Die Opposition hat uns beauftragt, die Wahlergebnisse nachzurechnen. Das Vertrauen der Bevölkerung war erschüttert - es gab Abhörskandale und Ankündigungen, dass Wahlergebnisse gefälscht werden - etwa durch Stimmenkauf.

Wurden Wahlzettel gefälscht?

Es gab laut Opposition Indizien, dass es passieren sollte. Jene Druckerei, die die Wahlzettel druckte, hat noch einmal 350.000 Zettel nachgedruckt - und zwar als der Druck schon verboten war. Das wären immerhin zehn Prozent der Stimmen gewesen. Die Druckerei sprach von einem Irrtum und erklärte, die Zettel hätten vernichtet werden sollen.

Wie stellt man das Vertrauen bei solchen Vorwürfen wieder her?

Wir haben die Protokolle der Wahlbehörden aus den Wahlsprengeln kontrolliert. Und wir rechneten nach, ob in Wahllokalen, wo internationale Beobachter saßen, anders gewählt wurde als in unbeobachteten Sprengeln. Wir haben bislang noch keinen Hinweis auf systematischen Betrug gefunden.

Wurden Sie eingeschüchtert?

Nein. Aber nicht nur die Opposition, auch die Regierungspartei wollte auf einmal unser Auftraggeber werden. Wir haben das abgelehnt und sogar die Kontonummer von unserer Website entfernt, damit ja kein Euro ohne vertragliche Basis an uns gelangt.

Ihre Lehren?

Der Kampf um eine korrekte Wahlabwicklung ist nie zu Ende, auch bei uns nicht. Bulgarien bemüht sich redlich.


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