Zeit am Schirm

Medien | Matthias Dusini | aus FALTER 20/13 vom 15.05.2013

TV-Kolumne

Brutal verbreitete das US-Fernsehen die Nachricht vom Attentat auf den Boston-Marathon. Im Minutentakt flimmerten neue, schreckliche Bilder über den Bildschirm. Als würde die Druckwelle der Bomben in den Medienkanal hinein schwappen. Ähnlich verhielt es sich nun mit den entführten Mädchen in Cleveland, Ohio. Wieder gab es keine Schonung der Betroffenen. Im Fall von Natascha Kampusch wurde darüber diskutiert, ob denn die entführte Frau vor die Kameras treten dürfe. In den USA veröffentlichte die Polizei sogar jenen Anruf, in dem ein Opfer um Hilfe rief. Und Kameras waren dabei, als die Eltern die befreiten Kinder umarmten.

Das US-TV zeigte aber auch die Bürger Clevelands, die die Befreiung der Frauen feierten. Anders als Kampusch müssen jene sich nicht für ihre Entführung rechtfertigen. Fernsehen kann eben nicht nur Individuen verletzen, sondern auch Gemeinschaft stiften.


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