Enthusiasmuskolumne  Diesmal: der beste Plattenladen der Welt der Woche

Hat der Boss selbst Hand angelegt?

Feuilleton | Gerhard Stöger | aus FALTER 20/13 vom 15.05.2013

Was einen guten Plattenladen auszeichnet? Die richtigen Platten, möchte man meinen. Stimmt schon, aber in Wirklichkeit sind die nur die halbe Miete. Ein guter Plattenladen lebt von seiner Atmosphäre, vom Schmäh, der dort rennt, dem Charme seiner Betreiber und der Zuverlässigkeit, mit der sie immer wieder "Schau, das könnte dich vielleicht interessieren“ sagen.

Der Teuchtler in der Windmühlgasse im sechsten Bezirk ist da unschlagbar. Dabei wirkt er auf den ersten Blick fast wie ein Ramschladen. Billige CDs, abgegriffene Platten und viel Patina an den Wänden. Lässt man sich aber ein auf die Welt dieses seit Jahrzehnten als Familienbetrieb geführten Tonträgerantiquariats, offenbart sich der wunderbarste Plattenladen der Stadt. Mindestens.

"Die Fundgrube der Sammler“ lautet das Teuchtler-Credo, und genauso ist es auch. Man kann seltene Platten zu Wucherpreisen über das Internet oder auf Börsen kaufen, man kann ihnen auf Flohmärkten hinterherlaufen - oder man kann sich darauf verlassen, dass früher oder später jede Rarität beim Teuchtler auftauchen wird. Ob das jetzt das Industrial-Kultalbum oder die frühe Beatles-EP ist, alter Hip-Hop und noch viel älterer Free Jazz, die Techno-Maxi, die unhörbare, aber tolle Künstlermusik-Vinylbox aus den 1970ern oder die seltenste aller Falco-Maxis in der noch viel selteneren Testpressung.

Oder, ganz aktuell, die signierte Bruce-Springsteen-Platte. Ob die krakelige Unterschrift vom Boss echt ist? Die Geschichte dazu - die Freundin des Erstbesitzers arbeitete für die Plattenfirma - klingt glaubwürdig, der Internet-Signaturen-Check sagt Ja, die eigene Erregung ebenfalls.

Und falls doch nicht: halb so wild. Wie fast jede Teuchtler-Platte war sie verglichen mit Ebay & Co ja unschlagbar billig.


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