Die Gegenwart von Zukunftsmusik

Feuilleton | Essay: Nike Wagner | aus FALTER 20/13 vom 15.05.2013

Am 22. Mai feiert die Musikwelt den 200. Geburtstag von Richard Wagner. Aber was genau gibt es da eigentlich zu feiern?

Wir befinden uns in einem "Wagner-Jahr“. Der 200. Geburtstag von Richard Wagner muss gefeiert werden. Muss er? Haben wir es nötig, einen Komponisten zu feiern, der seit Jahrzehnten unaufhörlich von allen Opernhäusern auf der ganzen Welt gespielt wird, der nie unter Konjunkturkrisen zu leiden scheint, als hätte er mit dem "Kunstwerk der Zukunft“ auch gleich das krisenfeste Notenpapier miterfunden, und dessen Name, dank der Existenz seines Familientheaters in Bayreuth, auch jenseits der Kunst nie aus den Schlagzeilen verschwindet?

Einen Komponisten, über den ebenso viel geschrieben wurde wie über Jesus Christus und Napoleon und der weiß Gott nirgendwo mehr durchgesetzt werden muss? Dessen politische Funktionalisierbarkeit sich auf schauerliche Weise erwiesen hat - von der wir aber gegenwärtig, in postideologischen Zeiten, nichts zu befürchten haben? Die Musik


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