Alles in Handarbeit: der letzte Pionier des analogen Filmtricks

Feuilleton | Nachruf: Michael Omasta | aus FALTER 20/13 vom 15.05.2013

Was dieser freundliche alte Herr so alles angerichtet hat! Für "The Beast from 20,000 Fathoms“ legte er Coney Island in Schutt und Asche, für "Earth vs. Flying Saucers“ zerstörte er Washington und für "It Came from Beneath the Sea“ den Großraum San Francisco.

Ray Harryhausen war Trickspezialist, seine Technik die des Stopptricks. Bild für Bild hat er Dinosaurier, fliegende Untertassen oder bösartige Skelette in Bewegung versetzt und sie mit zuvor aufgenommenen Realfilmszenen kombiniert: in 15 Abenteuer-, Science-Fiction- und Antikfilmen, entstanden zwischen 1946 und 1981 in Großbritannien, Italien, Spanien und in Hollywood.

Ein schmales Œuvre, scheint’s, doch unter Kollegen genoss sein Schöpfer Kultstatus. "Als Stop-Motion-Animateur“, so James Cameron, einer seiner prominenten Bewunderer, "übernimmst du die Arbeit eines ganzen Filmteams, du erschaffst ganz allein einen Film. Du bist der letzte unbesungene Held von Hollywood; allerdings bist du auch der einzig wahre auteur in ganz Hollywood.“

Bereits als Kind hatten ihn seine Eltern regelmäßig ins Kino mitgenommen, wo er Melodramen kennenlernte und die großen Stummfilmepen von Fritz Lang. Doch nichts beeindruckte ihn so stark wie "King Kong“. "Der hat mich echt gepackt“, erinnerte sich Harryhausen in einem Gespräch mit dem Falter, "besonders die spektakulären Trickeffekte von Willis O’Brien. Ich habe ihn 1933 in Grauman’s Chinese Theatre gesehen und war nie mehr derselbe wie vorher.“

Die größte Naivität birgt im Kino oft die größte Kunst, und nicht selten monierten Kritiker: "Schade, dass Mr. Harryhausen nicht auch die Schauspieler animiert hat!“ An seinem Meisterwerk, dem Kampf der sieben Skelette in "Jason and the Argonauts“ (1961-63), arbeitete er ganze neun Monate lang. 2004 war Ray Harryhausen beim Kino unter Sternen zu Gast. Sein erster Weg in Wien führte ihn und seine Frau Diana ins Naturhistorische Museum. Er wollte unbedingt die Dinosaurier besuchen.


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