Buch der Stunde

Warum der Rocker Richard Wagner ohne Erben blieb

Feuilleton | Kirstin Breitenfellner | aus FALTER 20/13 vom 15.05.2013

Alain Badious Mutter war eine glühende Wagner-Verehrerin, und dank einer Einladung seines Vaters, des Oberbürgermeisters von Toulouse, reiste er bereits 1952, als 15-Jähriger, durch das zerbombte Deutschland nach Bayreuth. Bis jetzt hat der Philosoph - neben Slavoj Žižek der zweite Wagnerianer linker Prägung - noch nie über seine Jugendliebe geschrieben, der er bis heute treu blieb.

Der schmale Band mit fünf "Lektionen“ rekapituliert den "Fall“ Wagner, zu dessen Konstruktion nicht nur das theatralische Wesen des Schöpfers von Gesamtkunstwerken, sondern auch die Diskussion über Wagner beitrug, die spätestens seit Nietzsches "enttäuschtem Liebesgezänk“ über den "alten Zauberer“ ein Genre der Philosophie darstellt, in dem es schon bald nicht mehr nur um Wagner selbst, sondern auch um Musik an sich, Mythologie und das Theater ging.

Zur ästhetischen kam die politisch-ideologische Debatte, in der Wagner das klassische Beispiel einer negativen Figur abgab, die im Rückblick,


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