Ohren auf  Sakrale Musik

Himmelhoch jauchzend, so gar nicht betrübt

Feuilleton | Miriam Damev | aus FALTER 20/13 vom 15.05.2013

Jesus ist tot, lang lebe Jesus! Man braucht Passionsmusik ja nicht nur zur Osterzeit hören, wo es doch so viel Unbekanntes zu entdecken gibt.

Das Vienna Vocal Consort widmet seine aktuelle Einspielung "Passion“ (klanglogo) einem Vergessenen: Joachim von Burck - Protestant, Pädagoge und Kirchenkomponist. Burcks Stil lässt sich mit einem Wort zusammenfassen: schnörkellos. Im Mittelpunkt steht das Wort, ob es sich nun um einen Psalm, ein Magnificat oder eben die Passionsgeschichte Jesu Christi handelt. Erstaunlich ist, mit welch geringem Aufwand Burck eine Tiefe der Erzählkunst erklingen lässt. Das Vocal Consort, bestehend aus einer Lehrerin, einem Journalisten, einem Architekten, einer Meeresbiologin und einem Landschaftsplaner, beweist mit der CD, dass dieser Mann durchaus eine Entdeckung wert ist.

Kein anderes Stück aus der katholischen Liturgie wurde öfter vertont als der Psalm 109. Das Ensemble La Nuova Musica spielt zwei Versionen des Dixit Dominus (Harmonia Mundi), nämlich jene von Vivaldi und Händel. Der direkte Vergleich macht deutlich, wie unterschiedlich der Zugang zu ein und demselben Text sein kann. Virtuose Leichtigkeit prägt Vivaldis Komposition; dramatischer hingegen ist Händels Psalm. Ein eher strafender denn majestätischer Gott? Nicht ganz - immer wieder erklingen rührend innige Abschnitte. Das englische Ensemble glänzt unter der Leitung von David Bates mit einer lebendigen Italianità und einem präzise singenden, wunderbar disponierter Chor.

Der zeitgenössischen geistigen Chormusik aus Tschechien und Ungarn widmet sich der Dresdner Motettenchor unter Matthias Jung auf der CD "Requiem - Geistige Chormusik“ (Querstand). Während sich die Tschechen Zdenek Lukás und Antonín Tucapsky von der mährischen Folklore inspirieren lassen und die Harmonik nur sehr reduziert einsetzen, ist György Orbáns "Stabat Mater“ wesentlich polyfoner. Subtil verwandelt er die mittelalterlichen Verse in eine zeitgenössische Musiksprache von aparter Klangsinnlichkeit.


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