Nüchtern betrachtet 

Ich frage mich, was ich für mein Land tun kann

Feuilleton | aus FALTER 20/13 vom 15.05.2013

In der insgesamt doch über Gebühr gelobten dänischen TV-Serie "Borgen“ wird die neu gewählte Premierministerin für ihre Antrittsrede doch über Gebühr gelobt: Die Rede dauert gerade einmal zwei Minuten und beschwört die Einigkeit des dänischen Volkes. Auf John F. Kennedys berühmten Satz, den ihr der windige Spindoktor ursprünglich reinschreiben wollte, verzichtet sie aber: Irgendwie klingt der dann doch zu fordernd.

Ich finde das ja nicht und stelle mir ständig die Frage, was ich für mein Land tun kann. Bloß dass in Köpfen wie meinem "Land“ in der Regel durch "Gesellschaft“ ersetzt wird. Als jemand, der in einem der privilegiertesten Winkel der Welt eine insgesamt doch sehr komfortable Existenz führt, erlaube ich mir Selbstmitleid nur ganz heimlich und verbiete es mir offiziell einfach, mich ausgenutzt, übervorteilt oder geringgeschätzt zu fühlen. Hey, ich zahle gerne Steuern! Und gerne kann man die dafür ausgeben, Menschen, die zu viel fressen, saufen oder rauchen,

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