Stadtrand Urbanismuskolumne

Ballspielen verboten, Kindsein verboten

Stadtleben | aus FALTER 20/13 vom 15.05.2013

Das Zusammenleben und Koexistieren mit anderen Menschen ist nicht so einfach. Auf dem Land nicht, wie die unzähligen Nachbarschaftsstreitigkeiten zeigen; aber auch in der Anonymität der Großstadt nicht. Besonders schwierig ist es in der Stadt, Kind zu sein: Da ist man mit einer solchen Vielzahl von Verboten konfrontiert, dass einem die Lust am Kindsein vergehen kann. Im Gemeindebau beispielsweise: In einem winzigen Hof stehen drei Schilder mit dem Hinweis, dass das Betreten der Wiesen verboten ist. Weitere zwei mahnen das Ballspielverbot ein. Die Wiese, das ist an dieser Stelle ein räudiges Fleckchen Erde, auf dem ein bisschen Löwenzahnkraut wuchert, aber das, so heißt es, die Kinder nicht betreten dürfen, weil nämlich "die Mieter allesamt für die Gartengestaltung aufkommen“, wie die Hausverwaltung wissen lässt. Also ab auf den einen Ballwurf weit entfernten Spielplatz! Wenigstens dort können die Kinder nach Herzenslust kicken und lärmen. Sollte man meinen. Denn was steht auf dem Schild, das gleich beim Eingang des Parks prangt? "Ballspielen verboten!“

Birgit Wittstock bemitleidet jene Kinder Wiens, die in kinderfeindlicher Umgebung aufwachsen


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