Prost!  Lexikon der Getränke. Diese Woche: Frugo - stark grün

Fruchtsaftkonserve: über die Kunst, natürlich zu schmecken

Stadtleben | aus FALTER 20/13 vom 15.05.2013

Goutieren Sie Lulo? Nein, es geht nicht um merkwürdige Alternativpraktiken, hier handelt es sich um die Beeren eines in Südamerika wachsenden Nachtschattengewächses. Sie sollen sagenhaft schmecken, eine Mischung aus Ananas, Erdbeere und Guave. Frisch wird man ihrer nur auf Reisen nach Ländern wie Kolumbien, Ecuador oder Peru habhaft, da die kleinen, gelbgrünen Beeren keine langen Lagerzeiten überstehen.

Deshalb verarbeitet die in Polen ansässige Frugo Company Lulomus und mischt es in eine ihrer neun Fruchtsaftsorten, die nicht nach Geschmäckern, sondern nach Farben eingeteilt wurden. An sich eine ganz hübsche Idee. Die Reihe rühmt sich damit, ohne Konservierungsmittel auszukommen und "stark fruchtig“ zu schmecken. So ist "stark grün“ u.a. eine Mischung aus Apfel, Kiwi und Passiflora, denen Kupferkomplexe der Chlorophylle und Chlorophylline zugesetzt wurden. Was um Himmels willen ist das? Es handelt sich hierbei um einen aus Chlorophyll gewonnenen Farbstoff, dessen Magnesiumatom mit einem Kupferatom ausgetauscht wird. Es ist eine gängige Praxis in der Lebensmittelindustrie, soll unbedenklich sein und dafür sorgen, dass die grüne Farbe auch über längere Zeit erhalten bleibt. Menschen mit der erblich bedingten Kupferspeicherkrankheit sollten lieber die Finger davon lassen.

Kennt jemand noch die kissenförmigen Apfelbonbons in der runden Blechdose? Als Kind, erinnert man sich, war das der Inbegriff von Natürlichkeit. Frugo kommt dem überraschend nah. MS


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige