Ins Mark Der Kommentar zur steirischen Woche

Der Telefonschleifen-Nepp

Steiermark | aus FALTER 20/13 vom 15.05.2013

Wer ein städtisches Amt telefonisch erreichen will, aber in der Warteschleife landet, wird folgenden Satz zu hören bekommen: "Stadt Graz - Kulturhauptstadt Europas. Ihr Anruf wird in Kürze entgegengenommen“. Die Ansage bezieht sich auf das Jahr 2003, als Graz diesen Titel innehatte. Die Chuzpe ist bemerkenswert.

Lisa Rücker (Grüne) hat als neue Kulturstadträtin vorige Woche nach ihren ersten 100 Tagen von ihrem Schaffen berichtet. Der Handlungsspielraum ihres Ressorts ist ja bescheiden, vor allem aber verheißen die Aussichten auf die Zukunft nichts Gutes. Die Stadt wird, der Umstand ist bekannt, sparen. Besonders ungut dabei ist, dass die langjährigen Förderverträge mit den sogenannten großen Tankern, wie etwa der Theaterholding, unantastbar sind. Eingespart werden muss aber dennoch, die freien Projektgelder werden in den nächsten Jahren weniger. Mit Verteilungsgerechtigkeit hat das nichts zu tun.

Zumindest scheinen Rückers Versuche, Schlagwörtern wie "Fair Pay“, "Interkulturalität“ und "Diversität“ ein wenig Leben einzuhauchen, ernsthaft zu sein. Den freien Kulturbetrieben wurde nun Indexanpassung für mehrjährige Förderverträge zugesichert, für Projekte im Sinne der Interkulturalität wird es einen eigenen Budgetposten geben, und auch der Grazer Kulturbeirat - kein unwichtiges Gremium - wird künftig nicht mehr nur mit Kulturbetrieblern beschickt. Sympathisch, nur wird das nicht ausreichen, um sich glaubwürdig als "Kulturhauptstadt“ zu positionieren. Da muss die Stadt schon Geld in die Hand nehmen und über größere kulturpolitische Ziele nachdenken. Diesbezüglich ist aber weder Bild noch Ton zu empfangen - nur das Band läuft unaufhörlich.

Tiz Schaffer ist Redakteur im Steiermark-Falter


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