Kunst & Film Tipp

Kunst oder Leben, das ist hier die Frage

Lexikon | NS | aus FALTER 20/13 vom 15.05.2013

Theaterregisseure holen Laien auf die Bühne und lassen sie als "Experten" über ihr eigenes Leben sprechen - was ist Inszenierung, was ist echt? Bei anderen Inszenierungen erleben die Theaterbesucher via Livecams und Bildschirme Bühnensituationen, die simultan das Geschehen auf der Bühne und backstage erleben lassen. So wie im zeitgenössischen Theater die Grenze zwischen Aufführung und Probe herausgefordert, überschritten oder negiert wird, spielen auch in der jüngeren Videokunst Fragen des "Making of", des Einstudierens und der Improvisation häufig eine Rolle. Mit dem Film-und Vortragsprogramm "Proben aufs Exempel" trägt das Mumok diesen so spannenden wie vertrackten Fragen Rechnung.

Die Kunsthistorikerin Sabeth Buchmann und die Künstlerin Constanze Ruhm - beide Professorinnen an der Akademie der bildenden Künste - haben die an vier Abenden stattfindende Reihe entwickelt. Der Film "The Environmental Witch Hunt" von Martin Beck (15.5.)zeigt eine Gruppe von Aktivisten beim Einüben eines politisches Pamphlets von 1970: Wie könnten derartige Forderungen heute ausgedrückt werden? Von der israelischen Künstlerin Keren Cytter stammt der ebenfalls gezeigte Film "The Victim", bei dem ein Abendessen zu einem dramatischen Höhepunkt führt -das Filmskript, Kamera und Mikrofon tauchen im Film immer wieder auf. Zwei Dokumentationen über Probenarbeit am Theater von Eva Könnemann (22.5.) sind ebenso zu sehen, wie Chantal Akermans Film "Les Années 80" (29.5.), der den Produktionsprozess in das Zentrum stellt. Mit René Polleschs Film "Porträt aus Desinteresse" rückt am 26. Juni einer der Begründer des "postdramatischen" Theaters ins Zentrum. Am 27. Juni findet auf der Akademie der bildenden Künste noch ein Symposium zum Thema statt.

Mumok, 15., 22. & 29.5., 26.6., jeweils 19.00


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