Neue Töne von Thöny

Der Maler Wilhelm Thöny gilt als österreichischer Pionier der Moderne. Eine Personale würdigt ihn

Steiermark | Tiz Schaffer | aus FALTER 20/13 vom 15.05.2013

Heute", so heißt es seitens der Neuen Galerie, gilt der Maler und Grafiker Wilhelm Thöny "als einer der bedeutendsten österreichischen Künstler des 20. Jahrhunderts." Er sei in einem Atemzug mit Malern wie Oskar Kokoschka oder Herbert Boeckl zu nennen. Allerdings wurde dem Werk des 1888 in Graz geborenen Künstlers bislang nicht die gebührende Aufarbeitung zuteil. Die nun anstehende Thöny-Personale "Im Sog der Moderne" wird dazu wohl keinen geringen Teil beitragen. Rund 300 Gemälde und Grafiken aus den verschiedensten Schaffensperioden werden zu sehen sein.

Als Thöny im Mai 1949 in New York seinen letzten Atem aushauchte, durfte er auf ein bewegtes Leben zurückblicken. Er studierte in München und war Mitglied der dortigen Secession, im Ersten Weltkrieg wurde er als Frontmaler eingesetzt, nach seiner Rückkehr nach Graz im Jahr 1923 rief er gemeinsam mit unter anderem Axel Leskoschek die Grazer Secession ins Leben. Nach seiner Heirat mit einer US-Amerikanerin lebte Thöny Anfang der 1930er-Jahre in Frankreich, 1938 emigrierte er nach New York. Dort fiel tragischerweise 1948 ein Großteil seines Werkes, das für eine umfassende Ausstellung zusammengezogen wurde, einem Debotbrand zum Opfer. Ein Jahr später stirbt Thöny.

Thönys Schaffen war stark von seinem jeweiligen Lebensmittelpunkt beeinflusst, er war stilistisch vielseitig. Die Wiener Albertina bezeichnete seine Grazer Zeit einmal als Synthese von Impressionismus und Expressionismus, recht düster war diese Schaffensperiode, die im Angesicht der Nachkriegszeit stand. Der Umzug nach Paris bewirkt einen Wandel in seinem Stil, der nun beinahe aquarellartig sogar "mediterrane Lebensfreude" vermittelte. Von New York war Thöny nach seinem ersten Besuch 1933 überwältigt, es entstehen Ölgemälde und Aquarelle mit New Yorker Motiven.

Im Laufe der Jahre hat die Neue Galerie ein eigenes Wilhelm-Thöny-Archiv aufgebaut, auf das sie nun zurückgreifen kann. In ihm befinden sich Briefe, Tagebücher oder Fotografien, die wissenschaftlich ausgewertet wurden und nun neues Licht auf die Biografie und das Œuvre von Thöny werfen. Zahlreiche der zu sehenden Gemälde und Grafiken, kuratiert von Günther Holler-Schuster und Christa Steinle, stammen zudem aus dem Bestand der Neuen Galerie, die dortige Sammlung gilt als die größte und repräsentativste. Weiters sind Dauerleihgaben wie auch Schenkungen zu sehen. Erst letztes Jahr erwies sich das Smith College Museum of Art in Northhampton als großzügig und übergab der Neuen Galerie das Bild "Toulon".

Neue Galerie Graz, Joanneumsviertel, Do 19.00


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