Kommentar  

Kinderwerbung: das gute Geschäft im Mitteilungsheft

Konsum

Falter & Meinung | Joseph Gepp | aus FALTER 21/13 vom 22.05.2013

Bei Kindern bildet sich die Trennlinie zwischen Fantasie und Wirklichkeit erst langsam heraus. Deshalb steigern sie sich beim Fangenspielen voller Leidenschaft in ihre Rolle des Räubers oder Gendarmen hinein. Deshalb identifizieren sie sich mit Begeisterung mit allem, was man ihnen vorsetzt. Mit Zeichentrickfilmen oder Kinderbüchern zum Beispiel, die sie vielleicht ihr Leben lang nicht vergessen werden. Oder mit Werbungen.

Dieser Tage verleiht die NGO Foodwatch in Deutschland ihren Schmähpreis "Goldener Windbeutel“ für dreiste Kinderwerbungen an die Hersteller des Softdrinks Capri-Sonne und eines Dr.-Oetker-Puddings. In Österreich klagt der Verein für Konsumentenschutz eine Agentur für Kinderwerbung. Zielgruppe: Über-Sieben-Jährige. Für Inserate in Volksschulmitteilungsheften, berichtet der ORF, zahlen Firmen bis zu 19.000 Euro. Diese strotzen vor Elmex-, Flik-Flak- und Billa-Anzeigen. Kein Wunder, holen die Konzerne ihre Kunden hier sprichwörtlich frühestmöglich ab.

Ob bei Verbotsdebatten für Zigarettenautomaten oder Essen in der U-Bahn: Oft wird dem Staat, teils zu Recht, paternalistisches Obrigkeitsdenken vorgeworfen. In diesem Fall jedoch kommt er tatsächlich einer Schutzverpflichtung nicht nach. Die Empfänger der Werbung sind nicht in der Lage, sie kritisch wahrzunehmen und in ihren Kontext einzuordnen.

Kinderwerbung ist in Österreich grundsätzlich erlaubt, sofern sie nicht direkt zum Kauf auffordert. Werbung an Schulen ist ebenfalls legal, solange die Schulleitung einverstanden ist und der Schulbetrieb nicht gestört wird.

Zumindest bei der Werbung in der Schule ist es angesichts der guten Geschäfte im Mitteilungsheft an der Zeit, über ein Verbot nachzudenken.


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