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Bücher, kurz besprochen

Politik | Joseph Gepp | aus FALTER 21/13 vom 22.05.2013

Mittendrin in der Schweigespirale

Publizistikstudenten kennen ihren Namen: Elisabeth Noelle-Neumann, gestorben 2010, gilt als die Grande Dame der Medienwissenschaften. Sie begründete nach dem II. Weltkrieg die deutsche Meinungsforschung und prägte mit ihrem Konzept der "Schweigespirale“ die Wissenschaft. Jetzt fügt eine Biografie der Säulenheiligen Kratzer zu.

Jahrelang hat der deutsche Soziologe Jörg Becker Noelle-Neumanns Rolle im Nationalsozialismus erforscht - und jetzt entlarvt er sie in einem gut geschriebenen und akkurat recherchierten Buch als eine, deren glänzende Karriere allzu nahtlos von der NS-Zeit in jene Konrad Adenauers überging. Später versuchte Noelle-Neumann ihre Vorgeschichte mit Lügen, Verdrehungen und Halbwahrheiten zu vertuschen.

Der Biografie liegt ein Quellenstudium zugrunde, das sich in dieser Sorgfalt bislang niemand angetan hatte. So hat Becker etwa alle Artikel ausgegraben, die Noelle-Neumann als junge Journalistin für die NS-Zeitung Das Reich schrieb. Solche Passagen erlauben nebenher auch einen interessanten Einblick in den Berufsalltag der Nazizeit.

Großes mediales Aufsehen, zumindest in Deutschland, erregte Becker allerdings weniger mit solchen Feinheiten als mit einem anderen Detail seines Werks: Quasi nebenher fand er heraus, dass Derrick-Darsteller Horst Tappert Mitglied der Waffen-SS war. Inzwischen haben einige Sender "Derrick“ sogar abgesetzt.

Jörg Becker: Elisabeth Noelle-Neumann. Demoskopin zwischen NS-Ideologie und Konservativismus. Schöningh, 369 S., € 35,90


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