Nachgesehen  

Politik | Florian Klenk | aus FALTER 21/13 vom 22.05.2013

Ein Wiener Schauplatz, an dem kleine oder große Politik stattfindet

Gemartert, geächtet, geehrt: "Das Radl rennt wieder richtig“

Weil Friedrich Zawrel einen alkoholkranken Vater und eine verarmte Mutter hatte, steckte ihn Wiens Jugendwohlfahrt in Kinderheime, von wo aus er nach Hitlers Einmarsch in die NS-Euthanasie-Anstalt am Spiegelgrund gebracht wurde. Dort marterte ihn der NS-Arzt Heinrich Gross.

Zawrel, der wegen Einbruchs vor Gericht stand, wurde in den 1980ern von Gross, damals Österreichs angesehenster Gutachter, erneut "begutachtet“. Doch nun gelang es ihm mithilfe des Arztes Werner Vogt, seinen Peiniger zu überführen. Gross verlor sein Ehrenzeichen, wurde wegen Mordes angeklagt, ehe er dement starb.

Vergangene Woche hat Zawrel, spät aber doch, das Goldene Ehrenzeichen bekommen. Nicht von der Justizministerin, sondern von Unterrichtsministerin Claudia Schmied. Sie dankte dem 83-Jährigen auch für sein Engagement als Zeitzeuge. Zawrel: "Dem Gross haben sie den Orden genommen, ich hab ihn bekommen. Das Radl rennt wieder richtig.“


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