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Warum kümmert sich die SPÖ um Unternehmer, Herr Strobl?

Verführungskolumne

Medien | Wolfgang Zwander | aus FALTER 21/13 vom 22.05.2013

Was früher einmal der Arbeiter vulgo Proletarier war, ist heute oft der Prekäre vulgo Selbstständige. Vorbei sind die Zeiten, in denen selbstständiges Unternehmertum automatisch mit Wohlstand assoziiert werden konnte. Heute ist "Unternehmer“ nicht selten nur ein anderes Wort für Selbstausbeutung am Rande des Existenzminimus; sogenannte Ein-Personen-Unternehmen (EPUs) erweisen sich für ihre Betreiber oft nicht als Weg zum Glück, sondern als steiniger Pfad in die Armutsfalle.

Noch vor wenigen Jahrzehnten war es vor allem die ÖVP, die verhinderte, dass das Leben als Selbstständiger nicht zum Vabanquespiel ausartete. Die SPÖ hingegen war traditionell die Partei der Unselbstständigen. Heute haben die Roten die EPUs für sich entdeckt.

Fritz Strobl, Chef des Sozialdemokratischen Wirtschaftsverbands Wien, initiierte jüngst die überparteiliche Kampagne "Weg mit dem Selbstbehalt“, die das Armutsrisiko für Selbstständige durch Krankheit senken soll. Unternehmer sollen, so lautet Strobls Forderung, beim Arzt keinen Selbstbehalt in der Höhe von 20 Prozent mehr zahlen.

Betroffen davon wären in Österreich 450.000 Selbstständige, darunter 240.000 EPUs, von denen wiederum zwei Drittel in Wien werken. Kioskbesitzer etwa, Werber, Grafiker, Journalisten, Reinigungskräfte, Marktstandler, Taxifahrer - und viele mehr. Finanziert soll die Abschaffung des Selbstbehalts werden, indem die Versicherungsbeiträge künftig nach Einkommenshöhe gestaffelt werden.


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