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Pressekolumne

Medien | Barbara Tóth | aus FALTER 21/13 vom 22.05.2013

Kennen Sie auch einen Austro-Presse-Verweigerer? Die Rede ist von Zeitgenossen, die ihren Medienkonsum in den letzten Jahren radikal umgestellt haben. Sie ignorieren den heimischen Boulevard sowieso, aber inzwischen auch die sogenannten Qualitätsblätter. Tagesaktuelles konsumieren sie meist digital. Aber zum Lesevergnügen gönnen sie sich ein echtes Großformat, bevorzugt die Süddeutsche Zeitung. Das Münchner Blatt leistet sich trotz Spardruck immer noch einen Korrespondenten in Wien. Das ist ein großes Glück.

Früher war es der wortmächtige Michael Frank, jetzt ist es die etwas lakonischere Cathrin Kahlweit, die auch schon aus Moskau und Kiew berichtet hat. Ihr geschulter Blick legt die Schwachstellen unseres Landes frei, nüchtern, sachlich, manchmal mit leiser Ironie. Das macht große Freude - und gleichzeitig auch ein wenig traurig. Denn an diese feine Tonlage einmal gewöhnt, findet man noch schwerer zum Austro-Geschwurbel zurück.


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