Buch der Stunde

Schwappel und Sieglinde säuseln in Schönbrunn


Klaus Nüchtern
Feuilleton | aus FALTER 21/13 vom 22.05.2013

Der Wiener Daniel Spitzer (1835-1893) galt als satirisch geschärfte Speerspitze des Wiener Feuilletons und war als solche sogar dem Feuilletonverächter Karl Kraus ein Vorbild. Seine über Jahrzehnte aufrechterhaltene Kolumne "Wiener Spaziergänge“ galt in liberalen Kreisen als Pflichtlektüre.

Dass Richard Wagner ins Visier des jüdischen Fabrikantensohns geriet, hat auch, aber sicher nicht nur den unverstellten Antisemitismus Wagners zur Ursache. Und mehr noch als gegen Wagner selbst richtet sich der Spott von Spitzers "Verliebte Wagnerianer“ ja auch gegen dessen haltlose Verehrer, von denen der Meister selbst meinte, sie seien so dumm, "man könnte die Wände mit ihnen durchtrennen“.

Das hoh(l)e Pathos wird in Spitzers "Novelle“ in ständige satirische Spannung zu den prosaischen Niederungen des Alltags gesetzt; eines Alltags allerdings, der - zwischen Hietzinger Landhaus und Wohnung am Stadtpark - ziemlich gut gepolstert ist.

Den Komfort sichert der schönen Leonie die Heirat

  325 Wörter       2 Minuten
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