Kraliceks Festwochentagebuch  

Kontinentalverschiebung für Ibsen und Strindberg

Notizen eines Festivalbesuchers auf der Suche nach dem Theaterglück (2)

Feuilleton | aus FALTER 21/13 vom 22.05.2013

Wolfgang Kralicek sieht fast jede Vorstellung der Wiener Festwochen

Dienstag, 14. Mai: Liebes Tagebuch! Es kann spannend sein, wenn europäische Theaterklassiker den Kontinent wechseln. So wie Strindbergs "Fräulein Julie“ (1889), das Regisseurin Christiane Jatahy in das Brasilien von heute verlegt hat: reiches Töchterl verführt Papas schwarzen Chauffeur. Der Zweikampf, bei dem gesellschaftliche und erotische Machtverhältnisse einander überlagern, wirkt ganz heutig.

Dazu trägt der filmische Charakter von "Julia“ bei: Die beiden sehr guten Schauspieler sind meist in live hergestellten Filmbildern zu erleben. Damit es nicht zu kinohaft wird, fallen die Schauspieler gern aus ihren Rollen. Das wirkt oft forciert, einmal aber ist es echt witzig: Julia fotografiert sich einmal mit dem Smartphone - und stellt das Foto gleich auf Facebook.

Mittwoch, 15. Mai: Dass die Wiener Regisseurin Anna Maria Krassnigg (Salon5) es heuer ins Programm der Festwochen geschafft hat, kam ungefähr so überraschend

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