Tiere

Friss Bienen!

Falters Zoo | aus FALTER 21/13 vom 22.05.2013

Peter Iwaniewicz ist sich nicht sicher, welche Partei "Hände falten, Tiere halten“ im Programm hat

Schwere Zeiten für Insekten! Käfer wie der Maiswurzelbohrer oder Schmetterlinge wie der Maiszünsler liegen in der öffentlichen Beliebtheit bereits hinter Bandwurm, Blutegel und Lungenwurm. Und dann schreibt auch noch der Österreichische Naturschutzbund in einer Aussendung zur Aktion "Natur freikaufen“: "Schlagen Sie auch gerne zwei Fliegen mit einer Klappe?“ Vielleicht wollte man da dem archaischen Prinzip "Was dich nicht umbringt, macht dich härter“ huldigen. Oder quasi durch paradoxe Intervention auf die Woche der Artenvielfalt hinweisen, bei der zwischen 18. und 26. Mai ein lebendiges Programm der Vielfalt* und wider die Einfalt angeboten wird.

Da kann man zum Beispiel die "Waldpartien des Wiener Augartens“ durchwandern. Festes Schuhwerk ist ausdrücklich notwendig! Hoffentlich trampelt damit niemand in die zarten Wiesenstücke, die seit kurzem von eigenem Sicherheitspersonal der Bundesgärten standhaft verteidigt werden.

Interessant klingt auch die Veranstaltung "Energiewirt, Räuber, Sämaschine“ hinter der sich nicht Kritik an der Agrarindustrie verbirgt, sondern die "Faszinierende Ameisenwelten im Granit-Bergwald“ bestaunt werden kann.

In ganz Österreich kann man eine Woche lang unter kundiger Begleitung Tieren und Pflanzen begegnen. Und jetzt mal ganz ehrlich: Wann hat man schon die Gelegenheit, das österreichweit einzige Vorkommen des "Tatarischen Meerkohls im Frühsommer-Blühaspekt“ zu sehen?

Oder dem Bienenfresser in sein unergründlich dunkles Auge zu blicken? Im Unterschied zu anderen Lebewesen, die man für das Bienensterben verantwortlich macht, ist dieser bunte Vogel sehr beliebt. Im Burgenland baut er seine Nisthöhlen in lehmige Steilhänge oder Sandgruben. Und diese Vögel mögen Insekten. Vor allem solche, die sich mit Giftstachel wehren können. Und da auch Bienenfresser nicht gerne in die Speiseröhre gestochen werden, töten sie die erbeuteten Bienen und Wespen zuerst mit kräftigen Hieben gegen einen Ast. Dann werden sie auf der hölzernen Unterlage so lange durchgeknetet bis sich die Giftdrüse am Stachel gänzlich entleert hat.

Schön wäre es, wenn in dieser Woche jene Leute, die sonst gerne zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen und "z’wos brauch i de gaunzn Viecha?“ lärmen, diese Klappe einfach einmal schließen.

iwaniewicz@falter.at

zeichnung: püribauer.com


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