"Ich habe sonst keine Hobbys"

Der Sofa Surfer Wolfgang Schlögl präsentiert im Wuk als I-Wolf gleich zwei neue Soloalben

Lexikon | Interview: Gerhard Stöger | aus FALTER 21/13 vom 22.05.2013

Der Mann hat gerade einen Lauf: In den letzten zwölf Monaten veröffentlichte der auch als Theatermusiker tätige Wolfgang Schlögl drei Alben. Eines mit seiner Stammband, den Sofa Surfers, eines mit dem Spröd-Pop-Duo Paradies der Tiere sowie "Bee Pop", eine auf Bienen-Sounds basierende Arbeit mit dem Klangbastler Paul Divjak. Jetzt folgen mit "Flesh+Blood" und "Skull+Bones" gleich zwei Alben seines Soloprojekts I-Wolf.

Falter: Herr Schlögl, Sie haben zuletzt drei Alben veröffentlicht, jetzt kommen zwei weitere dazu. Mischen Sie gerade etwas Spezielles in Ihre Frühstücksflocken?

Wolfgang Schlögl: Nein, überhaupt nicht. Ich arbeite gerne, stehe leicht auf und habe sonst keine Hobbys.

Leiden Sie unter Entscheidungsschwäche?

Schlögl: Phasenweise. Im Alltag muss ich so viele Entscheidungen treffen, dass ich bei den Herzensangelegen heiten etwas länger brauche.

Ich frage, weil Sie jetzt gleich zwei Soloalben veröffentlichen. Bei Ihrer Herzensangelegenheit Musik taten Sie sich diesmal scheinbar besonders schwer.

Schlögl: Das war durchaus eine bewusste Entscheidung. Normalerweise wird heute alles in handliche Einheiten verpackt, aber ich finde es viel sexyer, wenn etwas einmal nicht auf einen Sitz konsumierbar ist.

Sie sind als Freund des konzeptuellen Überbaus bekannt. Welche Thema verfolgen die beiden Alben?

Schlögl: Beim ersten I-Wolf-Album "Soul Strata" habe ich mir einst eine Soulmusik erdacht, analog dazu wollte ich bei "Flesh+Blood" erdenken, was die weibliche Energie um mich ausmacht. Möglichst frei von Klischees und Vorurteilen. Für mich spiegeln die beiden Platten das Zersplittertsein als Individuum, sie sind die zwei Pole meiner Existenz. Geht es bei "Flesh+Blood" um die weibliche Energie, beantwortet "Skull+Bones" die Frage, wo mein männlicher Kern bleibt.

Die weibliche Energie ist - mit dem Sound der Platten gesprochen - also fiebrig, die männliche dagegen düster?

Schlögl: Das wäre dann doch zu klischeehaft und verkürzt. "Flesh+Blood" steht für das Leben, "Skull+Blood" eher für das Vergangene und die Türen, durch die man nicht gegangen ist. Durch die Kombination entstehen Spannungen. Ich finde es interessant, die Verbindungsstränge zwischen den Platten zu suchen. Etwa, was ein bestimmter Basssound auf der einen mit einem speziellen Klavierthema auf der anderen zu tun hat. Wie fühlt sich ein Lied an, wenn es von einem Frauenchor gesungen wird, und wie, wenn ich auf mich gestellt bin? Wie verändert sich die Botschaft eines Liebeslieds, wenn es nicht in der Ich-, sondern in der Wir-Perspektive verfasst ist?

Das Klavier spielt eine größere Rolle als früher. Steht es bei Ihnen im Studio jetzt neben den Maschinen?

Schlögl: Das Klavier war immer schon die Grundlage jeder Komposition, tatsächlich steht es seit jeher direkt neben dem Computer. Ich hatte aber wohl lange einen Komplex, mich als Pianist zu outen, weil ich nie ein toller Instrumentalist war.

Nach zwei erfolgreichen I-Wolf-Platten starteten Sie 2004 das Projekt The Slow Club mit Hansi Lang und Thomas Rabitsch, dem einstigen Falco-Keyboarder. Hat Ihnen das neue Hörerschichten erschlossen, oder haben Sie Ihre alten Hörer irritiert?

Schlögl: Ich habe das Publikum damit auf jeden Fall irritiert. Ich selbst mache eine relativ strenge Trennung zwischen dem Wolfgang Schlögl und dem I-Wolf. Wolfgang Schlögl ist zuständig für Theater-und Filmmusik, und I-Wolf ist der Popcharakter, den ich mir hin und wieder anziehe. Über die Jahre bin ich immer der Wolfgang Schögl geblieben, der seine Person möglichst nie mit dem medialen Abbild verwechselt, das er eben auch kreiert. In Zeiten von Facebook ist das zusehends ein gesellschaftliches Problem. Man muss sich Labels und Aliase geben, was ja auch eine schöne Spielerei sein kann. Ein Teil von mir findet das aber sehr fremd, denn dem liegt die neoliberale Logik zugrunde, sich stets in für die anderen gut wahrnehmbare Portionen zu teilen. Aber es ist wohl ein Zeichen der Zeit, mehrere Identitäten zu haben.

Wäre es, Zeichen der Zeit hin oder her, als Musiker nicht einfacher und schlüssiger, nur eine Identität zu haben?

Schlögl: Sicher, aber es geht sich ökonomisch nicht aus, auf nur einem Bein zu stehen. Daran kann ich verzweifeln und aufgeben. Ich kann mich dieser Automatik total unterwerfen und nur noch fragen, was sich finanziell auszahlt. Oder ich kann weiterhin an der Idee festhalten, das, was ich mache, jeweils zu hundert Prozent zu machen und darauf zu hoffen, dass ich davon leben kann.

I-Wolf & The Chainreactions live: Wuk, Sa 21.00


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