Heiß und kalt zugleich

Diese Woche eröffnet das Springfestival in Graz. Mit Chilly Gonzales an vorderster Front

Lexikon | Tiz Schaffer | aus FALTER 21/13 vom 22.05.2013

Das Springfestival ist an und für sich eine Angelegenheit, die einen ziemlich ins Schwitzen bringt. Dichtes Programm, volle Clubs. Und dann das Publikum: enthusiasmiert. Die Eröffnung wird dieses Jahr allerdings chilly, genauer gesagt Chilly Gonzales. Der gebürtige kanadische Pianist, Produzent und Songwriter, der schon seit einiger Zeit in Deutschland lebt, trat erstmals zur Jahrtausendwende mit seinem Album "Gonzales über alles" ins Rampenlicht der Öffentlichkeit.

Man fand ihn in Folge des öfteren im Umfeld von Popkünstlerinnen wie Peaches oder Feist, er war immer wieder als Produzent und Songwriter für andere Musiker tätig. Jason Charles Beck, wie er mit bürgerlichem Namen heißt, ist ein wenig ein Schlawiner: Er hantiert mit Hip Hop genauso, wie er am Klavier eine ausgezeichnete Figur abgibt, und selbst Spät-70er-Poprock darf es hin und wieder sein. Zuletzt sorgte er mit einem Konzert im Wiener Funkhaus für Aufsehen, wo er mit dem 52-köpfigen Radio-Symphonieorchester das "Konzertspektakel des Jahres" lieferte, wie auf diesen Seiten schon zu lesen war. Aufgetreten ist er im seidenen Bademantel und mit grünen Hausschlapfen. Ja, der Kerl schießt scharf.

Und hoffentlich am Mittwoch um 21 Uhr aus vollen Rohren. Da ist Gonzales nämlich im Rahmen der Eröffnung des Festivals in der Helmut List Halle zu sehen. Dort spielt er unter dem Titel "Solo Piano II". Ungewöhnlich für eine Spring-Eröffnung. Aber gut. Den zweiten Live-Act des Abends bestreitet der Pop-Elektroniker Rangleklods aus Dänemark. Gut sind auch die heimischen Künstler, die diese Eröffnung abrunden, man findet sie allerdings nur hinter den Plattentellern: Etwa die gebürtige Grazerin Clara Moto oder der Wiener Wolfram, schon länger eine internationale Größe im Clubgeschehen. Und der Rest vom Fest: Sbtrkt, Mark Ronson mit Riton B2B und Electrosacher.

Während sich ältere Menschen nach dieser Eröffnung wahrscheinlich erst mal zurücklehnen müssen, geht es dann für die jüngeren erst richtig los. Bis zum 2.6. wird dann Graz wie jedes Jahr wieder die Spur lebendiger werden, und man wird viele gute Gründe finden, um etwa das Orpheum, das p.p.c., den Dom im Berg, die Postgarage, das Joanneumsviertel oder das Niesenberger zu besuchen. Ein kurzer Programmauszug: Carl Craig, Apparat, Extrawelt, HVOB, Light Asylum, Planningtorock, Zombie Nation und und und.

Nach fünf Tagen wird sich das Springfestival im Parkhouse ab 15 Uhr mit Grazer DJs wie Puschmann und Bitz mit geröteten Augen wieder auf ein Jahr verabschieden.

Graz, 29.5.-2.6.


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