Kunst Kritik

Bruchstücke der Raumfahrt, Loops des Blicks

Lexikon | aus FALTER 21/13 vom 22.05.2013

Welcher kleine Junge begeistert sich nicht für die Raumfahrt? Der Künstler Ralo Mayer hat sich etwas von diesem Enthusiasmus erhalten, selbst wenn er die Disaster der Air Shuttles zum Thema seiner Kunst macht. Seine aktuelle Schau bei das weisse haus nimmt die Abstürze der Shuttles Challenger 1986 und Columbia 2003 zum Ausgangspunkt für eine große Installation. Auf dem ersten Screen der Ausstellung zeigt der letztjährige Otto-Mauer-Preisträger ein Bild der unzähligen gesammelten Fundstücke, die von einer der explodierten Raketen erhalten geblieben sind. Auf verkohlten Holzteilen und Glasplatten verteilt Mayer selbst ebenfalls den Weltraum betreffende Objekte, die von Fotos, Skizzen und Büchern bis hin zu Souvenirs und Originalteilen der Raumfähren reichen. Visuelle Überforderung zählt zu Mayers Strategien in dieser Ausstellung, bei der Bedeutungsüberschwang jedoch nicht zum Nachteil wird.

Während Mayer die unendlichen Weiten erkundet, konzentriert sich Claudia Larcher auf das Naheliegende, nämlich auf Ausstellungsräume. In ihrer Schau "Der nachgebildete Blick" zeigt sie Videoanimationen, für die Architekturfotos das Ausgangsmaterial gebildet haben. Zunächst tastet die Kamera die Wände von White Cubes ab, dann entstehen coole fiktive Architekturen, durch die das Auge zu technoidem Sound rast. Auch im Funkhaus Dornbirn hat Larcher fotografiert und dort die Wendeltreppe des Gustav-Peichl-Baus ins Visier genommen. Die Spiralbewegung dreht sich über die realen Gegebenheiten hinaus -a uch eine Referenz an die gesendeten Radiowellen. Schlicht und doch höchst eigenwillig sehen Larchers Aufnahmen von Einfamilienhäusern aus. Man würde nie auf die Idee kommen, dass sie in den Vorstädten Tokios stehen. Am Samstag findet ein Künstlergespräch statt. NS

Das weisse haus, bis 1.6.


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