Theater Kritik

Verhackerts: der neue Turrini in der Josefstadt

Lexikon | aus FALTER 21/13 vom 22.05.2013

Das neue Stück von Peter Turrini war eine schwere Geburt. Mehrmals wurde die Uraufführung verschoben, insgesamt 37 Fassungen hatte der Autor erstellt, ehe "Aus Liebe" nun endlich seine Premiere erlebte. Ausgangspunkt des Stücks war der Fall des Wiener "Axtmörders", der sein ganzes Geld verspekuliert hatte und 2008 fünf Familienmitglieder ermordete. (Elfriede Jelinek hat den Fall bereits 2009 in "Die Kontrakte des Kaufmanns" verarbeitet.) Er wolle, so ließ Turrini wissen, anstelle der großen Frage nach dem Warum vielen kleinen Fragen nachgehen: Was sagt so einer, wenn er im Baumarkt eine Axt kauft? Und erzählt er seiner Tochter vor dem Mord noch eine Gute-Nacht-Geschichte?

Das klang spannender als das, was daraus geworden ist. Der schweigsame Mann, der am Ende seine Frau und seine Tochter töten wird, ist nur einer von vielen. Nicht weniger als 18 Figuren - vom lieben Gott abwärts - bevölkern das mit 80 Minuten nur knapp abendfüllende Stück. Es gibt den rassistischen Kriminalinspektor und die verzweifelte Sozialhilfeempfängerin, der man die Kinder weggenommen hat. Es gibt die Witwe, die aus Trauer um ihren Gatten fremden Herren in der Konditorei die Torten wegisst, und das junge Paar, das beim schnellen Sex in der U-Bahn gefilmt werden möchte. Aus 22 kurzen Szenen besteht das Stück, und jede von ihnen will ganz deutlich etwas bedeuten. Zusammen sollen sie das Bild einer Welt ergeben, in der der Griff zur Axt nur eine besonders drastische Form ist, an der Liebe zu scheitern. Dass das nicht aufgeht, liegt daran, dass die Figuren viel zu unglaubwürdig gestaltet sind und viel zu schnell an Pointen verraten werden, die meistens nicht einmal witzig sind. Dem Regisseur Herbert Föttinger muss man zumindest vorwerfen, dass er Turrini nicht um eine 38. Fassung gebeten hat. WK

Theater in der Josefstadt, Mo, Di 19.30


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