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Fiction, Dokus, Animation: VIS ist zehn

LEXIKON | SABINA ZEITHAMMER | aus FALTER 22/13 vom 29.05.2013

Bilder einer Überwachungskamera aus einem Großraumbüro: Ein bewaffneter Mann attackiert eine Frau, zerrt sie hinter ihrem Schreibtisch hervor. Ihr Gegenüber haftet geschockt auf seinem Sessel, steht schließlich auf, flieht. Kurz darauf kehrt der Mann um, geht zum Schreibtisch zurück und greift nach einem Blatt Papier, das darauf liegt. Wechsel in Spielfilmbilder: Ein Mann eilt ins Londoner Arbeitsamt, nimmt Platz gegenüber seiner Betreuerin

"The Mass of Men" von Gabriel Gauchet stellt nicht nur unterschiedliche Filmbildtypen nebeneinander, die eine gänzlich andere Wahrnehmung derselben Geschehnisse bedingen. Sein hervorragend gespielter 17-Minüter thematisiert den Druck eines unerbittlichen Systems, das den Verlust von Zwischenmenschlichkeit mit sich bringt. Zu sehen ist Gauchets Werk beim Kurzfilmfestival Vienna Independent Shorts, das heuer mit über 260 Filmen aus 40 Ländern sein zehnjähriges Bestehen feiert.

Unter den Dokumentarfilmen im internationalen Wettbewerb "Fiction and Documentary" sollte man Yuval Hameiris und Michal Vaknins "I think this is the closest to how the footage looked" nicht verpassen: Der zarte Kurzfilm setzt sich in außergewöhnlich schöner, berührender Weise mit dem Verlust eines geliebten Menschen auseinander.

Der experimentelle und animierte Film erhält mit "Animation Avantgarde" seinen Platz: So gewähren die expressionistischen Schwarzweiß-Animationen in "The Pub" von Joseph Pierce einen eindrucksvollen Blick durch die Augen einer Barkeeperin. Im Österreich-Wettbewerb sind die besten nationalen Werke zu sehen, darunter Benjamin Swiczinskys witzige Animation der "Telefonbuchpolka" von Georg Kreisler.

Bis So im Künstlerhaus, Brut, Filmmuseum


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