Meinesgleichen

Reden, reden, reden - über Jesus, die Nation und das Kapital

Falter & Meinung | aus FALTER 22/13 vom 29.05.2013

Er sei der Debatten über Sinn und Unsinn der politischen Talkshows in der ARD einfach müde, sagte Talkmaster Reinhold Beckmann in einem seltenen Moment der Einsicht und quittierte seinen Dienst. Der talkmüde Talkmaster war ein Thema, das die Geschwätzigkeit noch einmal monumental stimulierte. Obwohl seine Show noch bis 2014 läuft, kassierte er bereits Nachrufe satt. Wir in jeder Hinsicht fernsehgeplagten Österreicher erinnern uns an den Sportmoderator Beckmann, der in der Sat-1-Sportsendung "ran“ Maßstäbe setzte. Nun landete er einen Coup: Seine Talkshow hätte er ohnedies verloren, teilt Spiegel online mitleidlos mit und kommentiert, Beckmann habe aus einer Niederlage einen Sieg gemacht. "Der Jesus der ARD. Was für ein Witz.“

Ein wirklich interessantes Gespräch fand kürzlich in München statt. Wolfgang Streeck und Jürgen Habermas, zwei in Sachen Krise und Europa an dieser Stelle gern zitierte Denker, trafen aufeinander. Die scharfen Analysen beider knirschen dort, wo sie in Handlungsanweisungen übergehen. Streeck empfiehlt den Ausstieg aus dem Euro, was seiner sonst so luziden ökonomischen Analyse Hohn spricht; Habermas empfiehlt den europäischen Überstaat. Berichterstatter Thomas Steinfeld konstatiert mitleidlos: "Die kalkulierte Folgenlosigkeit, in der beide Vorschläge münden, ist die Folge eines Versäumnisses, sich mit dem Ineinander von Nation und Kapital auseinanderzusetzen.“ Leicht gesagt, und höchste Zeit, das Versäumte nachzuholen …

Quelle:

Thomas Steinfeld: Das andere Mal als lumpige Farce. Süddeutsche Zeitung vom 27.5., Seite 9


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