Am Apparat  Telefonkolumne

Warum flogen Sie aus dem Fußballstadion, Herr Martin?

Politik | Interview: B. Tóth | aus FALTER 22/13 vom 29.05.2013

Der österreichische EU-Abgeordnete Hans-Peter Martin wurde beim Champions-League-Halbfinale Barcelona gegen Bayern Anfang Mai in Barcelona von der Polizei aus dem Stadion geschleppt.

Herr Martin, was ist passiert?

Es war völlig absurd. Es waren teure, privat gekaufte Plätze. Als einige Barca-Fans anfingen, über Deutsche zu schimpfen, sagte ich, dass ich Österreicher sei. Da fiel dann gleich das Wort "Hitler“.

Sprachen Sie und Ihre Gegner spanisch?

Nein, Englisch. Jo mei, dachte ich mir, das muss man aushalten. Beim 2:0 schwenkte ich meinen Bayern-Schal, und da riefen einige "Raus!“. Die Ordner begleiteten mich hinaus, da wartete schon die Polizei.

Die behauptet, Sie seien sehr betrunken gewesen und wollten sich nicht ausweisen.

Ich war nüchtern, es gab gar keinen Alkohol im Stadion. Als ich deren Dienstnummern und Namen haben wollte, wurde das verweigert. Als ich zu fotografieren versuchte, haben sie mich in massiven Polizeigriff genommen und schleppten mich vors Stadion. Ich war unter Schock.

Wann konnten Sie sich ausweisen?

Sofort, ich zeigte Presseausweis und Pass. Als ich den Dienstleiter nach seiner Dienstnummer fragte, verstand er plötzlich weder Englisch noch sonst eine Sprache.

Sie haben jetzt mit einem offenen Brief gegen das Polizeivorgehen protestiert?

Ja, und ich habe sehr viele Reaktionen bekommen. In Spanien ist Polizeiwillkür ein brennendes Thema. Der FC Barcelona hat sich bei mir entschuldigt, an der Polizeisache bleibe ich dran.

Warum sind Sie Bayern-Fan?

Wieder, wegen meines Sohnes. Und wegen David Alaba, wer ist das nicht? Davor war St. Pauli mein Klub. Und im Herzen immer noch Schwarz-Weiß Bregenz, aber den gibt es nicht mehr.


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