"Ich verstehe Stepics Rücktritt nicht“

Politik | Interview: Joseph Gepp | aus FALTER 22/13 vom 29.05.2013

Steuerrechtler Werner Doralt über den Fall Stepic und eine neue globale Steuermoral

Anfang vergangener Woche saß Herbert Stepic, Chef der Raiffeisen Bank International, noch als "vielleicht mächtigster Mann Österreichs“ (Süddeutsche Zeitung) fest im Sattel. Ende der Woche trat er ab. News und die Süddeutsche Zeitung hatten Stepics Namen in den Offshore-Leaks gefunden. Über Firmen in Steueroasen hat Stepic, wie er selbst zugibt, Wohnungen in Singapur gekauft. Kritiker werfen ihm Steuervermeidung vor. Werner Doralt, Österreichs bekanntesteter Steuerrechtler, über Stepics Versäumnisse, Datenklau und die neue globale Steuergerechtigkeit.

Falter: Herr Doralt, stehen wir am Beginn einer neuen Epoche? Früher galt es geradezu als schick, so wenig Steuern wie möglich zu zahlen. Heute verfolgen wir jeden Steuertrick mit Härte.

Werner Doralt: Man ist zumindest kritischer geworden bei Dingen, die man früher mit Augenzwinkern betrachtet hätte. Das zeigt sich schon in Österreich: Bis vor


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