Ohren auf  Allerlei Dialektmusik

S’is wias is, du hast am best’n net z’vü Gschiss!

Feuilleton | Gerhard Stöger | aus FALTER 22/13 vom 29.05.2013

Wie eine Tom-Waits-Interpretation von Helmut Qualtinger geklungen hätte? Womöglich wie bei Jo Strauss, einem zwischen Wien und Berlin pendelnden Songwriter, der einst Ludwig Hirsch als Busfahrer zu Diensten war. In den schwächeren Momenten mutet sein gepresstes Gebrummel auf "Jo Strauss“ (Prückl Beats) fast wie eine Persiflage an, grundsätzlich ist der Mann aber keineswegs uninteressant. Strauss streift zwar den Austropop, orientiert sich im Zweifelsfall aber eher am Balladen-Nick-Cave, und rumpelig, das kann er auch. Er holt den "Casablanca“-Hadern "As Time Goes By“ ins Wienerische, vertont H.C. Artmann und raunzt und grummelt nicht unbedingt frohnaturige Zeilen wie "dei Westal ist weiß wie des Zeig, des du ziagst / wannst rennst, brauchst an iPod, weilst as sunst fü zfü gspiast“.

Um einiges besser gelaunt sind Michael Radanovics (Gesang, Gitarre) und Petra Hartl (Gesang, Cello), die seit zehn Jahren das Dialektduo Zimt & Zauber betreiben und mit "Siswiasis“ (Extraplatte) ihr drittes Album vorlegen. Leichtfüßige und stimmungsvoll reduziert arrangierte Wienerlieder sind darauf zu hören, gespielt mit einer Ahnung von Donaudelta-Soul und einem leichten Zucken in der großen Zehe. "S’is wia’s is, s’kummt wia’s kummt, guat war, wann man net verdummt“, heißt es da alltagsphilosophisch. "S’kummt wie’s kummt, s’is wia’s is, du hast am best’n net z’vü Gschiss!“

Hinter dem sinnigen Namen Pepis Bagage verbirgt sich ein mal etwas gespreizt hochdeutsch singendes, dann wieder urwüchsig tönendes burgenländisches Quintett um den Sänger und Mundharmonikaspieler Pepi Kornfeld. Mitsamt Bagage posiert er im Inneren der CD "Modscho“ (Eifelbaum) auf einem uralten Steyr-Traktor; auf dem Cover ist er mit vier Damen und einem Mercedes-Oldtimer zu sehen. Warum auch nicht. Die acht meist flott und gut gelaunt dargebotenen Lieder kombinieren dorffesttauglichen Bluesrock mit ein wenig Funk; als Draufgabe ertönt doch tatsächlich eine neumoderner Remix.


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