Nüchtern betrachtet 

Ich hab meinen Mao geschlachtet

Feuilleton | aus FALTER 22/13 vom 29.05.2013

Meinen Spindelegger wirfst du also auch weg?!“, frug meine Frau mit sehr gespielter Empörung. Jahrelang ist der Spindelegger meiner Frau unbeachtet hinter den Büchern auf einem bodennahen Regal der Abteilung Philosophie- und Sozialwissenschaften herumgegammelt, stammt also aus einer Zeit, in der der Name Spindelegger noch lange nicht diesen Glanz hatte, um den sich sein Träger qua michelinmännchenmäßiger Selbstaufpumpung bis heute vergeblich bemüht. Dass eine bis zur Autoflagellation sture Sozialdemokratin wie meine Frau die aus einem Schuhkarton und zwei Pet-Flaschen verfertigte "Saftmaschine“ unserer Tochter als "Spindelegger“ bezeichnet, geht auf einen Sketch von Thomas Maurer zurück. Der hat die Sonne am christlichsozialen Himmel des Landes nämlich einmal mit jenem selbstgebasteltem Kramuri der eigenen Lendenfrüchtchen verglichen, der einem aus irgendwelchen Ladeln entgegenapert, den wegzuwerfen man dann aber doch nicht das Herz hat.

Mein Herz aber ist kalt wie der Tomahawk


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