Ins Mark  Der Kommentar zur steirischen Woche

Verdienstträger

Steiermark | aus FALTER 22/13 vom 29.05.2013

Das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich ging vergangene Woche an einen Steirer. Kulturministerin Claudia Schmied (SPÖ) würdigte in ihrer Rede dessen "unbändiges Streben nach Qualität im Journalismus“.

Wen meint sie bloß? Sofort fallen einer da einige Kolleginnen und Kollegen ein, denen dieses Streben attestiert werden kann, etablierte, weniger etablierte, abmontierte. Doch der Ausgezeichnete heißt - Rudi Hinterleitner. Das kommt doch überraschend.

Sportredakteur Hinterleitner machte sich vor allem als Herausgeber trashiger Gratiszeitungen und als geschickter Geschäftsmann einen Namen. Mit der Erfindung des Grazer 1985 begründete er überhaupt erst den steirischen Gratisjournalismus. Mit Graz im Bild unterbot er später noch einmal, was man bis dahin von Gratisblättern schon gewohnt war, und das war nicht wenig. Frau Nackedei auf der vorletzten Seite war da nicht das größte Problem, das Blatt ließ etwa die gar gefährlichen Bettler nicht aus den Augen. Horst Pirker, der es für die Styria aufkaufte, wohl um den Anzeigenmarkt zu bereinigen, sagte, es sei unter seinen "persönlichen Standards und auch unter den Standards unseres Konzerns“, er stellte es bald ein.

Nun aber: journalistische Verdienste um die Republik. Man könnte sich wundern, wäre man neu in Österreich. So aber kennt man die innige Beziehung von Politik und Boulevard. Die Inseratenstrecken, die die Blätter wirtschaftlich stärken. Die "Kooperationen“, bei denen gefällige Artikel herausspringen. Ist für Politiker natürlich netter als die Presseförderung auf ordentliche Beine zu stellen. Da lässt man sich lieber gegenseitig ein(en) Verdienst zukommen.

Gerlinde Pölsler ist Redakteurin im Steiermark-Falter


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