Tiere

Springlebendig

Falters Zoo | aus FALTER 22/13 vom 29.05.2013

Aus der Liste verschwundener Wörter: Globetrotter. So nannten sich in den 1980er-Jahren alle Reisenden, die mehr als ein Land außerhalb Europas besucht hatten. Passend dazu trug man breitkrempige Lederhüte, Rucksäcke mit Alugestell und ein T-Shirt mit einem zwischen Leidensdruck und Nationalstolz schwingenden Aufdruck: "In Austria we don’t have kangaroos“. Das hatte für genau vier Jahrzehnte auch seine Richtigkeit. Seit dem neuen Jahrtausend stimmt das nicht mehr, denn vor allem die kleineren, grauen Wallabys werden auch in Österreich zunehmend als exotisches Nutztier gehalten. Immer wieder kann man daher auch von entkommenen Kängurus in den Medien lesen, wohl auch deswegen, weil diese Tiere beim Flüchten bedeutend sprunghafter sind als die bodenständigen Kühe, Schafe und Ziegen. In Medien wie der Krone liest sich das dann so: "Zu einem kuriosen Wildunfall ist es in Oberösterreich gekommen (…), als plötzlich ein waschechtes Känguru auf die Fahrbahn sprang.“ Offenbar sind diese neu eingebürgerten Haustiere bei uns noch nicht ganz angekommen, sodass man solche Kollisionen mit "waschechten“ Tieren "kurios“ findet.

In der Gastronomie ist das Kängurufleisch jedoch bereits gelandet: Die Wurstfirma Wiesbauer bietet solche Steaks bereits um € 17,77 pro Kilo an. Und irgendwann wird uns im Zillertal ein Almabtrieb mit aufgeputzten Kängurus auch nicht mehr seltsam vorkommen.

Fast wäre es ja schon Ende der 1950er-Jahre so weit gekommen: Otto König, ein Konrad-Lorenz-Lookalike und damals Leiter der Wildbiologischen Station am Wilhelminenberg, versuchte nach dem Vorbild englischer Akklimatisationsgesellschaften, exotische Tiere in Österreich einzubürgern. Dazu suchte er sich das kleine Bennett-Baumkänguru aus. Ursprünglich aus dem kühleren Tasmanien stammend, überstehen die Tiere mit ihrem dichten Fell auch das hiesige frostige Klima. Ökologisch wie Rehe eingenischt, schien einer erfolgreichen Ansiedlung in heimischen Wäldern nichts im Weg zu stehen. Doch im Winter verwechselten sie die oft nur schwach zugefrorenen Seen und Teiche mit Wiesenflächen, brachen ein und ertranken. Da sie die österreichischen Jäger nicht als Bereicherung der heimischen Wildtierfauna akzeptierten, wurde der Ansiedlungsversuch nicht wiederholt.

Jetzt probieren es die Landwirte nochmals.

Peter Iwaniewicz ist Biologe und träumt davon, dass auf Almwiesen Wombats statt Murmeltiere grasen

iwaniewicz@falter.at

zeichnung: püribauer.com


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