Kritik

Nur ka Aungsd! Eine Robinsonade im Tag

LEXIKON | WK | aus FALTER 22/13 vom 29.05.2013

Der Regisseur Christian Suchy hat in den letzten Jahren eine sehr österreichische Form des postdramatischen Theaters etabliert. Die Stücke, die Suchy an seiner Stammbühne, dem Theater an der Gumpendorfer Straße (Tag), inszeniert, werden konsequent mit und aus den Schauspielern heraus entwickelt; die Dialoge sind in Suchys Theater nur die Fortsetzung von Körpersprache mit anderen Mitteln. Gesprochen wird ein nicht genau zu verortender, aber mit viel Liebe zum Detail gepflegter Dialekt (beachten Sie auch die Künstlerbiografien im Programmheft!). Ergebnis sind Aufführungen, die in ihren besten Momenten so absurd sind, dass sie eigentlich nur wahr sein können.

Die aktuelle Suchy-Produktion ist das Kammerspiel "Zwaa auf ana Insl", eine Art Provinz-Robinsonade. Der Alfred (Horst Heiss) und der Beaddl (Georg Schubert), bekannt aus der früheren Arbeit "Iaxnbruad", sind zwar nicht auf einer einsamen Insel, sondern in einem verlassenen Wirtshaus gestrandet, das macht ihre Situation aber nicht unbedingt rosiger. Die Herren warten auf etwas, von dem sie beunruhigenderweise nicht einmal genau wissen, was es ist. Beaddl: "Wie buchstabiert man Angst?" Alfred: "A-U-N-G-S-D". Die Situation erinnert an Beckett ("Warten auf Godot"), aber auch an Buñuel ("Der Würgeengel"), nur dass die nicht so schöne Sätze geschrieben haben: "De Dian muass ma aufmochn. Zuagehn duans eh von allan!" Die beiden Schauspieler machen ihre Sache sehr gut, dass der knapp anderthalb Stunden lange Abend im letzten Drittel etwas durchhängt, können aber auch sie nicht verhindern. Zur Entschädigung gibt's ein Schlusslied von Rod Stewart: "I dua segln". Nur noch drei Vorstellungen!

Tag, Do 20.00 (bis 11.6.)


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