Kritik

Besser in Live-Häppchen als in Summe

LEXIKON | NS | aus FALTER 22/13 vom 29.05.2013

Eine junge Frau rollt sich in Zeitlupentempo über den Boden der Secession. Ihre Gebärden wirken nicht expressiv, sondern wie einstudiert. Das Begleitheftchen zur Festwochen-Ausstellung "Unruhe der Form" verrät nur den Titel dieser 2000 konzipierten Arbeit von Tino Sehgal, mehr nicht. Sie lautet "Instead of Allowing Some Thing to Rise Up to Your Face Dancing Bruce and Dan and Other Things". Was von den fünf Kuratoren der Ausstellung Karl Baratta, Stefanie Carp, Matthias Pees, Hedwig Saxenhuber und Georg Schöllhammer wohl als Crossover zwischen bildender Kunst und Tanz ausgewählt wurde, lässt den Betrachter unbehelligt von Inhalten zurück.

Es ist der Besuch von einzelnen Performances, Lectures oder Lesungen dieses Projekts angeraten, denn als reine Ausstellung scheitert sie - und das an gleich drei Orten. Der Besucher wird mit einem Overkill an zu vielen, zu dicht gehängten und in der Fülle zu heterogenen und komplexen Arbeiten konfrontiert. Das verwundert insofern, als offiziell nach "Entwürfen des politischen Subjekts" gesucht wurde, nach interdisziplinären Positionen, die ein "neues Verhältnis von Bild und Rede" bewerkstelligen. Die Schau in der Secession setzt mit einem Bühnenbildmodell von Vladimir Tatlin ein, bei dem er 1923 Kunst, Theater und Politik miteinander verbindet. Die Anschlussstellen an dieses historische Vorbild werden aber keineswegs klar. Wer viel Zeit mitbringt, für den lohnt ein Besuch der Akademie. Dort ist Milo Raus Videoinstallation "Die Moskauer Prozesse" zu sehen, die vor dem Hintergrund der Verhaftung von Pussy Riot die Künstlerverfolgungen unter Putin in Form von inszenierten Schauprozessen aufzeigt. Barbara Ehnes' Wandinstallation mit Kopfhörern widmet sich der feministischen Literaturzeitschrift Die schwarze Botin, die von 1976 bis 1987 erschien.

Secession, Akademie der bildenden Künste, Freiraum/MQ, bis 16.6.


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