Wilhelm Thöny in der Neuen Galerie: die späte Sogkraft eines Grazer Pioniers

STEIERMARK | KRITIK: ULRICH TRAGATSCHNIG | aus FALTER 22/13 vom 29.05.2013

Im Sog der Moderne" (bis 22.9.) sieht die Neue Galerie den Künstler Wilhelm Thöny (1888-1949) anlässlich der ihm gewidmeten Personale, die mit rund 300 Exponaten und vielen bislang unbekannten Werken die bisher umfangreichste Würdigung des Meisters bildet. Damit scheint höflich ausgedrückt, dass Thöny selbst kein stil-oder schulbildendes Werk hinterließ, was auch die verspätete Auseinandersetzung mit ihm erklären mag.

Zu solcher Höflichkeit besteht kein Grund. Das zeigt sich spätestens im zweiten Saal des von Christa Steinle und Günther Holler-Schuster chronologisch gebauten Parcours: Mit Thöny lässt sich nämlich ein Genie entdecken. Keines, das sich in kunsthistorische Flapsigkeiten pressen lässt, sich wenig um die Großmeister seiner Zeit scherte und doch einen unverwechselbaren Blick auf die Welt kreierte. "Abstrakt", "realistisch","symbolistisch", bei ihm finden solch Zuschreibungen kein breit ausgewalztes Fundament. Anderswo systematisch destillierte Methoden hat er zur Synthese gebracht, in Bildern, die stark expressive Detailansichten in einen fast stimmungsimpressionistischen Gesamteindruck betten.

Frappierend, wie er das Aquarell beherrschte und als Ideengeber für seine Ölmalerei nutzte. Nein, der Titel der - im Übrigen glänzenden - Ausstellung ist falsch: Hier wurde keiner irgendwohin gesogen, sondern hat im Stillen seine eigenen Sogkräfte entwickelt. Nicht auszudenken, welche Impulse der Mitbegründer der Grazer Sezession hierzulande noch hätte geben können, wenn ihn die politischen Umstände nicht schon 1931 ins Exil -nach Paris und später New York - gejagt hätten.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige