Vor 20 Jahren im Falter  Wie wir wurden, was wir waren

Bombingkanal

Falter & Meinung | aus FALTER 23/13 vom 05.06.2013

Bombing am Donaukanal, das hatte nichts mit Attentaten zu tun, sondern mit Sprayen. Carolin Giermindl sprach mit - nach eigener Aussage - Wiens aktivster Sprayergruppe "4 da hard way“ und erfuhr allerhand über Verfahrensweise, Gedankenwelt und Sprache der Sprayer. Bürgermeister Helmut Zilk war den Sprayern erschienen und hatte ihnen Wände versprochen. "Im Grunde genommen sei er, der Bürgermeister, sehr für Graffiti, aber das sähe er nicht ein, dass man so schöne Gebäude wie die Hofburg beschmiere, rekonstruiert A 10 die Worte Zilks.“ A 10, B 20, C 30 und R 40 nannten sich die Bomber und sie sprayten zum Beweise ihrer gestalterischen Fähigkeiten in ihr "repräsentativstes Werk“ am Donaukanal auch einen Falter-Schriftzug hinein.

Wenn das die Politikredaktion gewusst hätte! Bernhard Odehnal, Thomas Seifert und Thomas Vašek führten eine Umfrage zur Zukunft der Stadt durch. Befragt: die Vorsitzenden der politischen Parteien. Auf die Frage "Sind Sie für die Ausweitung des Parkpickerls auf die ganze Stadt“ antwortet Michael Häupl (SPÖ) mit: "Nein, aber auf die Bezirke innerhalb des Gürtels.“ Rainer Pawkowicz (FPÖ) sagte: "Nein, die Autofahrer werden nur zur, Melkkuh der Stadt‘ abgestempelt.“ Bernhard Görg (ÖVP) wollte "zunächst die Ergebnisse der Einführung des Parkpickerls abwarten“ und Peter Pilz von den Grünen sagte einfach "Ja“.

Das Feuilleton bot Merkwürdigkeiten: Markus Wailand schilderte die Galeristinnenszene als Pilotenspiel, Roland Koberg berichtete von seltsamen Vorgängen bei der Zeitschrift Bühne, wo der Verlag die Chefredakteurin Karin Kathrein entließ, ohne dass Bühne-Herausgeber André Heller (!) davon etwas wusste. Chris Duller schließlich interviewte Jani Nowak, den Sprecher der Gruppe Laibach, der die Entstehung des slowenischen Staates gerade den Boden unter den Füßen wegzuziehen schien. Wolkiger Laibach-Sprech auf die Frage, ob aus dem Künstlerkollektiv ein Marketingsystem werde: "Reichtum ist ekelhaft. Aber Armut ebenfalls. Wir glauben an die Wichtigkeit der spirituellen Erfüllung.“ AT


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige