Seinesgleichen geschieht  Der Kommentar des Chefredakteurs

Land unter. Über Wasser, Katastrophe und Gesellschaft

Falter & Meinung | Armin Thurnher | aus FALTER 23/13 vom 05.06.2013

Realismus ist nicht. Die großen Katastrophen sprechen die Sprache der Natur, und wir verstehen sie nicht, sagte die Wissenschaftlerin im Fernsehen. Man muss erlebt haben, wie es ist, wenn das Wasser kommt. Das Gerede vom Dichtmachen und vom Schützen wird zuschanden, wenn man in einem Keller steht und einem still unter den Füßen das Wasser entgegenquillt, weil das Grundwasser zu hoch gestiegen ist. Da hilft weder Zaun noch Sandsack.

Reporter, die das Zeitkontinuum füllen und in die ratlosen Gesichter der Menschen mitfühlend sinnloses Zeug fragen, wie geht es weiter, was werden Sie tun, Schicksale live, das macht gute Quote, aber die Gesellschaft braucht das, denn die Gesellschaft ist das Gegenteil von Natur, und wenn das Wasser kommt, aktiviert die Gesellschaft ihre Reflexe. Mitgefühl und gegenseitige Erschütterung, die Mehrheit hat es nicht erwischt, Spendennummern.

Gern erklärt sich die Gesellschaft, was sie versäumt hat, um das Unglück zu verhindern. Sobald Katastrophen überstanden


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