Meinesgleichen

Gusenbauer, ein Spion? Profil, ein Nachrichtenmagazin?

Falter & Meinung | aus FALTER 23/13 vom 05.06.2013

Das Nachrichtenmagazin Profil stellt Exkanzler Alfred Gusenbauer und den Anwalt Gabriel Lansky unter Spionageverdacht. Die beiden hätten Akten an Nursultan Nasarbajew, den Staatschef von Kasachstan, weitergereicht, lautet der Vorwurf. Jedoch liest man weiter unten im Text: "Es ist vorerst durch nichts belegt, dass Alfred Gusenbauer oder Gabriel Lansky tatsächlich Zugriff auf die versiegelten Akten des U-Ausschusses 2009 hatten, erst recht nicht, dass sie diese dem kasachischen Regime zuspielten. Es liegt umgekehrt aber auf der Hand, dass Kasachstan großes Interesse daran hatte, in den Besitz derartiger Informationen zu gelangen - und sei es nur, um die wechselnden Aufenthaltsorte von Rakhat Aliyev in Erfahrung zu bringen.“

So kann man jedem alles anhängen. Es ist nicht bewiesen, dass Reporter X Geld nimmt; umgekehrt hat Y großes Interesse, X zu bestechen. Also ist X mit hoher Wahrscheinlichkeit bestechlich. Man nennt das Rufmord. Dass ein Nachrichtenmagazin so etwas macht, kann einen wundern. Beigeschlossen ist ein langer Text, der den Verfall moralischer Vorbilder beklagt und Gusenbauer in eine Reihe mit unseren Staatsverbrechern stellt. Ich werde darin als Kritiker Gusenbauers zitiert. "Kaum jemand“, heißt es weiter, habe jedoch etwas daran gefunden, dass EU-Kommissar Johannes Hahn fünf Jahre bei Novomatic tätig gewesen sei, ehe er in die Politik zurückkehrte. Dieser "kaum jemand“, es blieb unerwähnt, war ebenfalls ich.

Quellen:

* Causa Aliyev: Gusenbauer unter Spionageverdacht, Profil 23/13

* Seinesgleichen geschieht, Falter 21/13


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