Istanbul-Tagebuch "Fuck you Tayyip!“

Politik | Ruth Eisenreich, Magdalena Jöchler | aus FALTER 23/13 vom 05.06.2013

:: Jetzt sprüht uns der Mann mit der Gasmaske eine Flüssigkeit ins Gesicht. Das Brennen lässt nach. Alles wirkt ruhig, wir laufen die schmalen Gässchen hinab und überqueren die Galatabrücke - nur weg aus dem chaotischen Beyoğlu.

Seit nicht einmal 24 Stunden sind wir in Istanbul, schon haben wir Bekanntschaft mit Tränengas gemacht. Am Tag unserer Ankunft sind die Proteste gegen das geplante Einkaufszentrum nahe dem Taksim-Platz eskaliert.

31.5., 21 Uhr. Im asiatischen Teil Istanbuls ziehen Grüppchen brüllender Burschen umher. Sie protestieren gegen die Regierung. Es gehe nicht nur um das Einkaufszentrum, sondern um das autoritäre Verhalten von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan.

1.6., 1 Uhr. Das Gebrüll wird lauter, ein Hupkonzert beginnt. Wir gehen in Richtung Meer. Hunderte Menschen kommen uns entgegen, sie schwenken türkische Fahnen, pfeifen, schlagen auf Töpfe. Wir sehen keine Polizei. Ein Mädchen übersetzt uns die Parolen: "Fuck you, Tayyip, du kannst uns mit Tränengas


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