Wenn Zappelphilipp zum Psychiatriepatienten wird

Politik | Rezension: Julia Kospach | aus FALTER 23/13 vom 05.06.2013

Der renommierte US-Psychiater Allen Frances warnt in seinem Buch "Normal“ vor der Inflation psychiatrischer Diagnosen

In dem, was er einen "Bürgerkrieg im Herzen der Psychiatrie“ nennt, hat Allen Frances in den letzten Jahren beherzt, lautstark und intensiv Partei ergriffen. Zu verteidigen, so Frances, gilt es die Normalität. Der amerikanische Psychiater ist angetreten, "das, was normal ist, vor der Pathologisierung zu schützen“.

Kern seiner Kritik: Wir haben es heute mit einer Inflation psychiatrischer Diagnosen zu tun, die zu einer Hyperinflation zu werden droht. Diese "hat dafür gesorgt, dass ein absurd hoher Anteil unserer Bevölkerung heutzutage auf Antidepressiva, Neuroleptika, Anxiolytika, auf Schlaf- und Schmerzmittel angewiesen ist“. Und das alles, während umgekehrt viele tatsächlich psychisch Kranke, die der Behandlung bedürften, diese nicht bekommen.

Psychische Störungen, so Frances Befund in seinem neuen Buch "Normal“, werden gleichzeitig über- und unterdiagnostiziert.


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