Mediaforschung  Verführungskolumne

Warum sollen wir unsere Buchhändler kennen, Frau Franzke?

Medien | Barbara Tóth | aus FALTER 23/13 vom 05.06.2013

Amazon ist über Nacht pfui, daraus muss man doch etwas für die Buchhändler vor Ort machen! Das dachte sich Sonja Franzke, als der Internetgroßhandel im Frühjahr in die Schlagzeilen geriet.

Franzke kennt den Buchmarkt gut. Mit ihrer Agentur Vielseitig gestaltet und bewirbt sie Bücher. Drei Wochen dauerte es, bis 46 Wiener Buchhändler beisammen waren, die sich fotografieren ließen, um mit ihrem Konterfei und dem Slogan "Ihr Buch hat ein Gesicht. Wiens Buchhandel hat viele“ zu werben.

Das Konzept der Kampagne ist schlau. Es bewirbt die Sache selbst (Kauf wieder vor Ort!) genauso wie die einzelnen Händler. Jeder Buchhändler bekam Postkarten mit eigenem Foto zum Verteilen, auf Facebook, Twitter und Foursquare wurde ebenfalls geworben. 190 Euro pro Nase kostete die Kampagne. "Wir wollten vor allem den Einzelkämpfern unter den Buchhändlern helfen“, sagt Franzke. Fast gleichzeitig startete auch der Buchhändlerverband seine Werbeaktion "Read global, buy local“.

Dienstag vergangener Woche zog die "Ihr Buch hat ein Gesicht“-Gruppe Bilanz. "Sympathie ist nicht messbar“, meint Franzka, "aber viele Buchhändler berichteten, dass mehr Kunden kamen oder die, die sie schon kannten, ihre Probleme jetzt besser verstünden.“

Noch etwas zeigt die "Ihr Buch hat ein Gesicht“-Kampagne: Klassische Interessenverbände, die große Buchketten wie kleine Händler gleichermaßen vertreten sollen, schauen nach solchen spontanen Solidaritätsaktionen schnell alt aus.


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